26. April 2018

LTB

– der langweiligste Titel, den man sich vorstellen kann! – Oder?


Laut Wikipedia – die damals noch nicht geboren war – gibt es Lustige Taschenbücher seit 1967. Seit 1951 gab es als Vorläufer die deutsche Miky Maus. Und ich lese Topolino, das italienische Original, das es schon 1932 gab, seit dessen Formatwechsel und Relaunch 1949.
   In der deutschen Wikipedia ist Topolinos Geschichte nur kurz angedeutet, in Italien weiß man noch, dass nach dem Krieg das Format zwecks rentablerer Nutzung der für den Reader’s Digest beziehungsweise die Selezione frisch gekauften deutschen Vömag-Druckmaschine gewählt wurde. Doch genug Historie.
   Bei »meinem« Comic-Laden in der Oxforstraße habe ich mir jüngst Heft 72 von 1980 aus dem Ramsch geklaubt (nicht geklaut, gell!), ich meine für ein, zwei Euro. Teuer, aber die Sache wert!
   Damals war noch die legendäre Frau Dr. Erika Fuchs (1906 – 2005), Johanna Theodolinde Erika Fuchs aus Hinterpommern, der »Chefredakteur«, die Welt politisch inkorrekt. Auch sie war über den Reader’s Digest zum Übersetzen gekommen.
   Das Heft kostete damals DM 5,60, rund € 2,80, immer schon ein stolzer Preis. Heute kostet ein LTB € 6,50; Inflation 3%, siehe Zinseszinsrechnung unten.
   Die sechs Geschichten, in denen es dabei um »viel Lärm um Donald« geht, sind ordentlich ne eine Rahmengeschichte eingespannt, die Zeichnungen emotional übertrieben, wie das eine Zeit lang Stil war. Noch mehr exzessive Emotionen hat dann aber wohl nicht noch mehr Auflage gebracht, in dieser Zeit sanfter Erzeihung … Bei Neuauflagen sind wohl manche Szenen sogar entschärft worden, siehe auch Kater Karlos Gesundung unten. Heft 72 wurde schon zwei Jahre später, 1982, nachgedruckt (Impressum). Wie der Topolino wurde dieses LTM in Italien gedruckt. Heute werden die LTBs in Thüringen gedruckt, meint die Wikipedia.
Beginn der Rahmengeschichte.
Der aus Wut hochspringende Dagobert ist typisch für die »Ganzkörper-Emotionalität«.
   Das alte Heft ist nur halb farbig. Es wech­seln sich bunte und schwarzweiße Seiten ab, immer zwei in Far­be und zwei schwarz­weiß. Die Schrift in den Blasen ist groß-kleine Druckschrift, was der Lauflänge des Deut­schen geschuldet ist und gut lesbar. Die Italiener lettern Comic-stilgerecht groß­buch­sta­big von Hand.
   Schade, dass die Autoren und Über­set­zer nicht angegeben sind wie teilweise heute.
   Besonders gut gefiel mir die letzte Ge­schich­te: die (oder der) Zerrspiegel. Auf wundersame Weise verzerren sie nicht nur, sie machen schöner, selbst schlechtsitzende Anzüge der »Herr­en­kon­fek­tion Donald Duck«. Die phan­tas­ti­schen Auswirkungen sind spannend – für Donald und uns.
   Übrigens wird, wie immer im deutschen LTB, für $ – Dollar, der Inbegriff des Ka­pi­ta­lis­mus – nur ein T gesetzt. Das steht für Taler, eine eher gemütliche Bezeichnung aus der Gegend um Karlsbad, von Jáchymov, 1930 noch 7216 Einwohner, davon 445 (6 %) Tschechen.
»Zerrspiegel«, Seite 218: »Wo steckt er, dieser Lüderjahn?« – ein weiteres Beispiel für »Ganzkörper-Emotionalität«

Ein »Lüderjahn« kommt übrigens im heutigen Online-Duden nicht (mehr) vor, nur ein Luderjan. Für diesen Lumpen sollte man etwa im Schlesischen Wörterbuch suchen. Ein Luderian, Luderjan, Luderjahn, Lüderjan oder Lüderjahn war ein Taugenichts. Die Wikipedia weiß noch, dass der Preußische König Friedrich Wilhelm II (1744 – 1797) volkstümlich »der dicke Lüderjahn« genannt wurde. Frau Dr. Fuchs muss mit dem wohl eher im Norden Deutschlands gängigen Ausdruck vertraut gewesen sein, wir heute erraten’s aus unserem »passiven Wortschatz«. Grimm kannte ludericht, luderhaft

Miky-Maus-bezügliche Geschichten:
• Die Geschichte mit der Druckmaschine ausführlich:
  http://blogabissl.blogspot.de/2018/04/terry-moore-strangers-in-paradise.html
• Wie Dagobert Duck das Bild des Reichtums prägt:
  http://blogabissl.blogspot.com/2008/03/reichtum.html
• Zinseszinsrechnung für Gymnasiasten und Interessierte
  http://blogabissl.blogspot.com/2016/05/zinseszinsrechnung.html
• Kater Karlo und sein Holzbein: 
  http://blogabissl.blogspot.de/2017/08/gambadilegno.html

Dieser Blog http://j.mp/2JrYced =
  https://blogabissl.blogspot.com/2018/04/ltb.html





LTB im Netz
auf

 https://www.lustiges-taschenbuch.de/












Auf den Stil moderner Storys will ich nicht eingehen. Dazu bin ich wohl zu alt. Mir erscheinen sie überzogen, überzeichnet, überladen, inhaltlich obstrus und zeichnerisch unharmonisch bis hin zu rechteckigen Augen, die sich wohl von Bildschirmen inspirieren ließen. Entartet – um’s ganz bös zu sagen. Aber bitte: Man soll alles aus seiner Zeit beurteilen; und die heutige ist da nicht die meine …
LTB 506 Seiten 120, 121, »Die Eine-Million-Taler-Münze« von Sio (Story) und Stefano Intini (Zeichnungen), “Created 2016”

• In »Mathematik macht müde« (Story IP-3137-4 Seite 148) antwortet Daniel Düsentrieb auf eine besorgte Nachfrage Dagoberts: »Kein Fußbruch!« statt »Kein Beinbruch!«. Das Sprichwort »Hals- und Beinbruch!« findet Google 167'000-mal, mit »Fuß« statt »Bein« weltweit nur 82-mal, »Fußbruch« 33'300-mal, »Beinbruch« 684'000-mal.

• »Im Landknasthof« (Story IP-3102-5, Story GajaArrighini, Zeichnungen Emilio Urbano, created 2015) ist auf Seite 248 Großmutters Auto aber ganz falsch! Die Dame war ihrer Zeit voraus und fuhr ein Elektromobil: kein Vroomm und vor allem kein Abgas.
Omas Auto (Zeichnung von HB)













Sie fuhr ein “New Light Baker Electric Coupe” von 1912. (Bild aus der Wikipedia).









• Ganz und garnicht geht – korrekt politisch und ein wenig post-68 gesehen –, eine ganzseitige Reklame am Ende auf Seite 256 für Kriegsspielzeug:

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