1. September 2017

Technikjournalismus

Stefan Betschon aus der Redaktion der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) ist seit Jahren ein führender deutschsprachiger Technikjournalist. In der langen Techniktradition der NZZ folgt er auf Lucien Trueb und Herbert Cerutti.
   Mit dem allgemeinen Wandel der Presse, ihrem Kampf ums Überleben, hat sich in den letzten Jahrzehnten auch der Technikjournalismus stark gewandelt; wie der ganze Journalismus, meine ich, und gewiss nicht zum Besseren, Intensiveren, Verständlicheren. Bezeichnend: Schon das Wort »Technik« hat sich aufgelöst in »Technologie«.
   In https://www.nzz.ch/feuilleton/technikjournalismus-traeumen-von-der-technik-der-zukunft-ld.1310393 macht sich Betschon Gedanken über die Zukunft dieser Sparte. Dabei sieht er schon die Vergangenheit kritisch: »Es ist schwer vorstellbar, dass im deutschsprachigen Raum in den 1970er Jahren ein Magazin eine lange, sorgfältig bebilderte Reportage über Computerspiel-Programmierer oder über Phone-Hacker publiziert hätte. Wohl deshalb, weil Informatik in Europa bis vor kurzem lediglich ein Special-Interest-Thema war, konnte das Silicon Valley nur im Silicon Valley entstehen.« Ganz glaube ich das nicht, zumal ich dabei war. Hier in Europa erinnere mich noch an die Anfänge der deutschen Selbstwähl-Fernwahl (wann genau war das?) und die Aufregung um Inline-Signalisierungen aus Blueboxen oder einen Umweg über die Tschechoslowakei, der eine Zeit lang Gratisgespräche in weite Fernen versprach. Das ging dick durch die Presse!
   Ich will, wie so gern, ins Allgemeinere abheben. Europa ruht sich gern auf seinen Lorbeeren aus, statt immer wieder fröhlich, interessiert und fleißig Neues zu entwickeln. Deutsche »Label« zieren höchstens noch japanische Produkte, offen oder versteckt (»Leica«-Objektiv, »Nippon Contax« = »Nikon«). Zukunft passiert anderswo. In einer Zeit, wo Meinung, sofortige, mehr gefragt ist als Wissen, Begründung, Warum?, wird immer weniger selbst gelesen oder gar selbst gedacht. Fortschritt kommt aus der Kellogs-Tüte, rieselfähig. Technik, pardon, Technologie, macht da keine Ausnahme.
   Kinder, denkt selber nach! Fragt immer wieder: warum? wieso?, wie erklärt sich das? Ist das plausibel? Und was ihr nicht selbst erdacht habt, davon redet nicht, da sagt ihr: Ich weiß nicht, oder: noch nicht.
   Vor allem aber: Seid fleißig. Von nichts kommt nichts, Wissen schon gar nicht. Am besten: Fleißig durch Interesse. Wie Stefan Betschon.
Didier Cuche                                     Foto Jansky

   Die Hundertstelsekunde
Beispiele für spontanes »Denken« liefert »Mikromann« Tom Walek bei Straßenumfragen im »Hitradio Österreich 3« – Motto: »Das Leben ist ein Hit«.
   Der siebenunddreißigjährige Französischschweizer Didier Cuche hatte am 21. Jänner 2012 das Hah­nen­kamm­ren­nen vor dem sechsundzwanzigjährigen Romed Baumann aus Sankt Johann in Tirol mit einem Vor­sprung von 24 Hun­dert­stel­se­kun­den gewonnen (Bild- und Zeitungsbericht des Rennens).
   Tags danach stellte Walek in Kitzbühel öffentlich die Frage: »Aus wieviel Hundertstelsekunden besteht eine Sekunde?«.
Hören Sie mit freundlicher Genehmigung des Öster­reich­ischen Rundfunks die Reportage der Umfrage.

Link hierher: https://blogabissl.blogspot.com/2017/09/technikjournalismus.html 
Direkteinstieg in die Hundertstelsekunde:
   https://blogabissl.blogspot.com/2017/09/technikjournalismus.html#Hundertstelsekunde

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