25. Oktober 2012


Das Prefect-System

Erschienen als »Das perfect-system« in der Schülerzeitschrift »Auspuff«
des Staatlichen Landschulheims Marquartstein im März 1959, Seite 10f
unter dem Kürzel fj

Es ist unmöglich, dem Leser eines Artikels nach wenigen Zeilen ein einigermaßen richtiges Bild einer englischen Schule zu geben, da die englische Schule – besonders aber die Heimschule – auf anderen Voraussetzungen fußt als die deutsche. Blickt man aber auf Einzelheiten, so sind dem Ausländer wohl am ehesten das Prefect-System und die Prügelstrafe bekannt.
   Während meines Aufenthalts im Bradfield College war ich nur in einer Altersstufe eingereiht, aber ich will versuchen, hier den Aufstieg des etwa 13jährigen Neulings (Fag) zum universitätsreifen Senior Boy zu zeigen. Der Fag hat noch wenig Annehmlichkeiten in diesem System, das jedem seiner Altersstufe nach verschiedene Rechte und Pflichten gibt. Er wohnt in dem großen Houseroom, den er nur zum Teil betreten darf, muss auskehren, den Präfekten die Schuhe putzen und die Zimmer in Ordnung halten, muss sekundengenau läuten (oder, falls keine Glocke im Haus ist, langgezogen Bell schreien) und die Zeit bis zur Arbeitsstunde count-down-artig angeben. Außerdem ist er natürlich dem Präfekten unterstellt. Der Fag schläft in großen Schlafsälen, die wie alle Schlafräume tagsüber nicht betreten werden dürfen. Seine Bücher, Hefte, Konserven, Spirituskocher und ähnliches, notwendiges Kleinzeug hat er in einem Wandschränkchen im Houseroom ordentlich eingestapelt, denn für Unordnung wäre kein Platz.
   Die nächste höhere Stufe ist der Senior Boy, der nun als äußeres Zeichen seine Anzugsjacke offen lässt und ständig mit den Händen in den Hosentaschen herumläuft. Er lebt eigentlich von den Fags getrennt, so wie man ja stets bestrebt ist, die Altersstufen auseinanderzuhalten. Die vielfältigen Pflichten des Fags fallen bei ihm zum großen Teil fort, er muss zwar noch servieren und den Tisch abräumen, aber er bekommt – je nach den Möglichkeiten des Hauses – ein Doppel- oder Einzelzimmer zum Schlafen und eine Study zum Wohnen, ist also möglicherweise schon aus dem Houseroom heraus. Der normale Senior Boy kommt wohl dem Marquartsteiner Schüler am nächsten, nur muss er immer noch schwarze Schuhe und weiße Kragen (nicht aber [weiße] Hemden) tragen.
   Das Ziel des Seniors ist es, ein Prefect zu werden. Damit ist er aus den anderen herausgehoben, darf braune Schuhe und farbige Kragen tragen, den Talar (Gown) über die Schulter werfen, man reicht ihm das Essen schneller, er serviert nicht mehr und darf auch bestimmte Gänge und Grundstücke betreten. Er hat noch viele andere Vorteile, da die meisten Räume in normale und Präfekten-Abteilungen geteilt sind. Aber dafür muss er die anderen überwachen und erziehen, was sich äußerlich in den Appellen u. a. zeigt. In den obersten »Klassen« sind wohl die meisten solche Präfekten, obwohl das schwer festzustellen ist, denn es gibt »Klassen« in unserem Sinne weder in der Schule noch (räumlich) im Heim. Der oberste Prefect eines Hauses ist der House Prefect, die obersten Präfekten überhaupt die School Prefects (weiße Krawatten), aus denen wieder der Head Boy herausragt.
   Ich glaube, dass das Prefect-System neben seinem Grund im zu oft zitierten englischen Charakter, wohl im praktischen Erziehermangel fußt. Es bildet den Schüler zur verantwortungstragenden Persönlichkeit aus, zeigt ihm die Macht und seine Grenzen.

–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
1959 war ich 17 und in der 7. Gymnasialklasse (heute: »11. Klasse«)
Alte Klassenlisten, generell meine Altmarquartsteinerthemen

Erinnerungen an Bradfield (englisch) hier im Blog:
http://blogabissl.blogspot.de/2012/11/bradfield-college-remincences.html 


Fotografieren mit DPIs – 300 dpi aus 72 oder 180 dpi

Mein OCR-Scanner im Adobe Acrobat 6.0 – ich weiß, das ist ein alter, aber er tut’s brav und ich hab’ ihn! – nennt sich Paper Capture und verlangt 200–400 dpi bei farbig und 200–600 dpi bei schwarzweiß gescannten Schriftstücken (Dokument, Paper Capture). Sonst geht er gar nicht dran:


Wenn ich ein Dokument scanne, so tue ich das also mit 300 dpi.
   Wenn ich aber ein Dokument mit dem Fotoapparat aufnehme, egal mit wievielen Megapixeln, dann sind in der jeweiligen Bilddatei stets 180 dpi angegeben (Datei, Eigenschaften: »Auflösung 180«). Andere Apparate geben sogar nur eine Auflösung von 72 dpi an, oder ppi (Pixel oder Points per Inch, Punkte je Zoll). dpi heißt Dots per Inch, Punkte je Zoll, und ein Zoll, das sind 2,54 Zentimeter (cm). Gelegentlich werden für Zoll in oder gerade Anführungszeichen " als Zeichen verwendet. Zollmaße werden hauptsächlich in Amerika und bei Wasserrohren eingesetzt – aber das ist eine andere Geschichte.
   Man kann die dpi-Zahl eines Fotos unbeschadet beliebig verändern, am Bild tut sich da nichts. Mein Fotobearbeitungsprogramm – auch uralt – lässt das über Eigenschaften, Auflösung zu. Beim erneuten Abspeichern des (JPG-)Bildes können dann allerdings Qualitätsverluste entstehen. Das geht auch in anderen Bildbearbeitungsprogrammen, mit Irfanview usw. Nehmen wir Photopaint (bitte: »Ursprüngliche Größe beibehalten«):

Danach lässt sich das Bild problemlos an die OCR-Erkennung »Paper Capture« übergeben. Wie gut die OCR-Erkennung dann tatsächlich läuft, ist eine andere Sache. Notfalls sollte man sich ein besseres OCR-Programm holen.
   Und jetzt rechnen wir mal. Ein DIN-A4-Blatt ist 210 mm × 297 mm groß, das sind 62.370 mm² oder 624 cm². In Zoll sind’s 961116 in² oder rund 96,69 Quadratzoll. Scannt man ein A4-Blatt mit 300 dpi (in beiden Richtungen natürlich, also richtiger gesagt mit 300 × 300 = 90.000 Punkten je Quadratzoll), so ergibt das 8.701.875 Punkte, also fast neun Megapixel. In der Praxis hat bei mir eine 300 dpi-gescannte A4-Seite 2410 × 3437 Punkte (Pixel) = 11,7 MPixel. Auch gut. Was beweist, dass ein mit 12 Megapixeln gut aufgenommenes Foto von einer A4-Seite durchaus einem 300-dpi-Scan ebenbürtig sein müsste. Sie können also guten Gewissens den arbiträren, also willkürlich gesetzten DPI-Wert im Foto auf 300 dpi hochsetzen. Fotografieren Sie ein kleineres Blatt mit derselben Fotoauflösung, also etwa A5 mit 12 MPixeln, so haben sie in Wirklichkeit ein doppelt so genaues Bild, und umgekehrt bei A3 nur ein halb so genaues. Die OCR-Erkennung hängt allerdings hauptsächlich von der Klarheit, Größe und Form der Zeichen ab.
   Für Puristen. Verlustloses DPI-Ändern soll mit Exiftool gut gehen, sogar stapelweise: »Using Exiftool (exiftool -Xresolution=300 -Yresolution=300 *.jpg) works perfect except for the images without any dpi value in the jpeg header«, schreibt Anton Bredell.
   Kommentare und Hinweise auf Rechenfehler bitte an mich. Fritz@Joern.De
Link hierher: http://blogabissl.blogspot.de/2012/10/fotografieren-mit-dpis-300-dpi-aus-72.html

16. Oktober 2012

Rücksprung auf den Desktop
bei Windows,
ein alter, aber guter Hut

Festes, gewohntes Land unter den Füßen zu haben, ist für einen im Ozean der Windows-Anwendungen, Menüs und Klickstellen in Seenot geratenen Schwimmer stets willkommen. Der Desktop – die Übersicht, die beim Start des Betriebssytems erst einmal erscheint, bevor man an die Arbeit geht – ist Ausgangspunkt und festes Basislager aller Expeditionen ins PC-Reich. Wie kommt man wieder hin?

Entweder in der Task-Leiste findet sich schon ein Häuschen wie dieses, hier neben dem »Start«-Knopf zu sehen:





Dann kommt man damit zurück zum Desktop, aus allen Lagen, sofern man nur die Taskleiste sieht.

Oder man zieht sich so einen Knopf selbst dorthin: Man geht in den Ordner
C:\Dokumente und Einstellungen\Fritz\Anwendungsdaten\Microsoft\Internet Explorer\Quick Launch
(wobei für Fritz der jeweilige Anwender steht, egal, hauptsächlich man findet diesen »Quick Launch«):




Von dort zieht man sich dieses »Desktop anzeigen« in die Taskleiste, und fertig ist die Laube. In die man immer wieder gemütlich zurückkehren kann.

8. Oktober 2012

New York im Oktober 2012

Ein kleines Tagebuch von Fritz Jörn – das dann doch ein halbes Buch geworden ist. Man möge das schon entschuldigen: Unsere fünfeinhalb Tage in New York waren so unerwartet inhaltsreich, dass sie nicht mit ein paar Worten abgetan sind.
Fotos auf http://bit.ly/Ttelys (=  http://picasaweb.google.com/Fritz.Joern/NY?noredirect=1)
(Die Fotos hier im Text sind zum Vergrößern klickbar, der Link drunter führt zu ihnen in meinem Fotoalbum.)
Dieses Tagebuch auf http://bit.ly/QpT1Jl (= s. Permalink ganz unten)

Samstag, 6. Oktober 2012, sommerlich schön, schwül fast, jedenfalls am Ziel – Ankunftstag

Zwanzig nach acht – Mama schaltet ihren Blackberry out. Wir sind am Frankfurter Flughafen, Gate B 46, umgeben von Tablet-tierenden Pubertierenden (weil sich’s so schön reimt), hallenden Lautsprecheransagen, staccato, da elektronisch aus Satzteilen zusammengefügt, und ein wenig Morgensonne, die schräg in den »Finger« hereinspitzt.
   Die letzte Nacht haben wir in Kelsterbach verbracht, Mercure-Hotel, angenehm, business-like, bis auf das relativ teure, unprofessionell servierte Abendessen (€ 80,30). Alte Regel: Im Hotel schlafen, nicht essen; im Gasthaus essen, den Kaffee anderswo trinken. Carla hat ihr »Schnuffituch« im Bett vergessen, ich, die Dauerparkkarte ins Auto zu legen. Nur gut, dass es Mobiltelefon gibt.
   Gestern Abend waren wir gemütlich von Bonn gekommen, waren am Flughafen schon unser Gepäck losgeworden (24 + 15,8 kg, erlaubt sind 20 kg pro Person), hatten unsere Bordkarten bekommen (nur bei persönlichem Erscheinen aller Beteiligten), alles in Ruhe, bis auf die übliche Park- und Fahrhektik, die man sich selbst macht.
   Wir übrigens, das sind Fritz (Berichterstatter, 70) und Frau (hier als G., 47) nebst Tochter Carla (11).
   Zurück ins Terminal B. Mama ist, weil sie die Ruhe weg hat oder sich im Gegenteil beruhigen muss, im naheliegenden »Raucherparadies« verschwunden. Ich hoffe, sie kommt vor Abflug wieder …
Panoramabild im Flugzeug, http://bit.ly/Wl0KOo
Gelungen! Nach all den Kontrollen, Sicherheitsbefragungen (»Wie lange bleiben Sie?«), Stempelchen und Scans sitzen wir in Reihe 36 Sitze H, J und K (über den Flügeln …) eines Airbus A380-800 (A388) mit 471 Plätzen (434 besetzt) der Singapur-Airlines, Listenpreis knapp 400 Mio. Dollar, bis zu 325.000 Liter Kerosin, Gesamtgewicht ca. 500 t. Das Flugzeug kommt von Singapur und fliegt weiter nach New York, die Crew ist frisch: die Hostessen in ihren seit 1972 bekannten, eng anliegenden Sarong-Kebayas, die Stewards ganz normal (obwohl Sarongs primär eine Männerbekleidung sind).
   Im Flug. Es ist 6.02 Uhr in New York, 12.02 in Franfurt; das macht minus sechs Stunden aus Deutschland. Das Wetter über den Wolken über dem Atlantik ist schön, windig allerdings mit 120 km/h gegen uns und -57° C, das Flugzeug ruckelt ein wenig. Es gab schon zu Essen, eine Art Halbmittag mit Rührei, Speck und Kartoffelgratin etc. Woody Allens neuestes Alterswerk, »To Rome with Love« , hab’ ich auch schon gesehen, eine Aneinaderreihung von Wooly-Allen-typischen Episoden, Rede- und Gesten-reich, viel Italienisch, viel Musik, samt Volare – passt zum Inflight-Programm – und alles recht amerikanisch (Trailer). Ich hab’ zur Feier des Flugs einen alten schallschluckenden Kopfhörer mitgebracht und sitze jetzt wie in Watte, jedenfalls ist’s eher stickig und heiß und trotz der vermutlich 3000 m (Luftdruck-mäßig; echt sind’s 11.581 m) leicht geruchsgeschwängert, klebrig. Die Flugroute kann man auf den Bildschirmen vor einem verfolgen (sonst im Web) Die Leute glotzen, schlafen, dösen oder stehen vor den Toiletten rum.
   Dass ich langsam anfange, diesen Trip zu genießen. Alters-störrisch und überhaupt-gern-erstmals-gegen-alles (= deutscher Intellektualismus) wäre ich natürlich lieber bescheiden in die Eifel gefahren, nach Bayern, Österreich oder Südtirol. But now: Let’s see New York!
   Im Flugzeug gucke ich noch ein russisch-chinesischen Rührstück, »der 52. Breitengrad« (Latitude 52), und dann noch einen Woody-Allen, »Manhattan«, von 1979, um mich einzustimmen.G. schaut sich Madagascar 3 an, sehr lustig, und deutsche »mit Filmförderung«; Carla das Kinderprogramm.
   Nach der Landung ist die Pass- und Zollkontrolle – bis auf ein wenig Warten, vielleicht zwanzig Minuten – sehr zuvorkommend, der Einwanderungsbeamte (bezeichnend, dass die hier immer gleich Immigration Officer heißen) flaxt mit G. und Carla, lässt sich Zeit. Technisch: Scannen aller Finger beider Hände, Foto. Vergleich mit dem Chip im Pass ist mir nicht aufgefallen. Jedenfalls lässt Persönlichkeit alle Ärgernisse amerikanischer Einreisebürokratie vergessen.
http://bit.ly/X9E6rQ
   Mit dem Taxi dann nach Manhattan, Standardpreis 57 Dollar samt eventuellem Brücken- oder Tunnellzoll. Netter Fahrer, macht Schicht von 5 bis 5, hatte drei Stunden auf uns gewartet. Hybridtaxis gibt’s auch, Elektro-Benzin. Benzinpreis hier knapp vier Dollar die Gallone (80 Eurocent/Liter). Gas wäre billig, ist aber angeblich bei den Passagieren unbeliebt …
   Unser »The Gotham«-Hotel, mitten im nördlichen Manhattan, vielleicht einen Kilometer südlich vom Central Park, liegt hundert Meter östlich ab von der Fifth Avenue in der 24. Straße (»16 East 46 street New York«), die weiter westlich direkt zum Times Square führt. (Gotham City ist ein Spitzname für New York, auch schon mal für London; kommt von Ziegenstall.) Ein veritables Design-Hotel, alles rechteckig, bis hin zu den Armaturen im edel-weißen Bad. Wir bekamen mit großen Entschuldigungen nur ein Zimmer im 20. Stock Richtung Hinterhof, unsere vorausbezahlte Suite mit Balkon im 21. war leider besetzt geblieben. Insgesamt hat das Hotel 25 Stockwerke. Wir sollen am Sonntag umziehen können. (Inzwischen ist es Sonntag geworden; ich sitze schon jetzt auf einem Balkon gen Norden, straßenseitig, es ist halb sieben, der Tag kommt herein. Umgezogen sind wir dann in den 16. Stock, völlig ausreichend.) Für die Umstände hat sich das Hotel vielmals entschudligt, mit einer Flasche Wein und fünf für uns alle kostenlosen Frühstücken (5 × 3 × $ 18).
   Vielleicht haben wir am Samstag, unserem Ankunftstag, einen der letzten Tage des Sommers erwischt, warm, beinahe schwül, die Leute liefen in kurzen Hosen herum. Und vor allem: Alle sind sie fröhlich, flirtig fast; nicht Hippie, das ist lang vorbei, aber fast. Wie einige Prozent verbunden mit einem unsichtbaren Netz gemeinsamer guter Stimmung, out of Facebook. Keine Spur von diesem städtischen Misstrauen, das im Mitmenschen immer potenziell einen neapolitanischen Handtaschenräuber sieht. Junge Leute, elegante Leute, viele Deutsche – in der Fifth Avenue geht’s bekanntlich nobel zu. Fantasie, Fröhlichkeit, und doch gutes Geschäft.
Toile-de-Jouy mit Lanschaftsmotiven,
http://bit.ly/QZpCti
   Als wir im Trump-Tower einen Kaffee tranken, in diesem riesigen, rotmarmor-messingpolierten Raum mit Wasserfall, zog sich eine Truppe von drei Pantomimen in Toile-de-Jouy-Kostüme an (G. kannte den Ausdruck!). Nachher gingen sie die Fifth Avenue weiter hinauf, unendlich langsam, von Touristen bestaunt und »um-Foto-t«. Die Verkäufer in den Geschäften fröhlich, ansprechend, aber nicht aufdringlich. Das kann nicht nur Professionalismus sein. Das war echt. Ich hielt mich bei all den Einkäufen eher auf Abstand, schon um Bilder zu machen, die Architektur zu bestaunen, die großen Räume, Wolkenkratzer mit Spitzen, die das Auge noch erreicht, ja, die gerade dafür noch ansehnlich individuell gestaltet sind, wie Dächer von Kathedralen. In der Prachtstraße jeder Eingang geputzt und Sidol-poliert; sogar die Schlauchanschlüsse der Steigleitungen für Löschwasser sind liebevoll beschildert und gewienert. Reicher Schmuck über den »Haus«-Eingängen, Wappen, goldglänzende Reliefe. Das Rockefeller-Center, schon für sich eine Skulptur, mit Bronzefiguren angeblich von Rene Paul Chambellan aus dem Jahr 1935 (Nereide, Triton) als Hinführung.
Rene Paul Chambellan, 1935, Nereide
s. http://bit.ly/QZpCti
   Dabei tausend Leute, gerade am Rockefeller-Center. Lego-Shop. Metropolitan-Museum-Souvenirverkauf, und natürlich, wie überall hier: Marken, Marken, Marken, meist Mode, von Apple im Glaskasten über den schönbemannten Hollister bis zu allen Italienern. Bei Tiffany, ein herrlicher, wohlproportionierter Raum, haben wir weiter oben im dritten Stock Carla kleine Ohrringe gekauft. Die Verkäuferinnen zuvorkommend und zurückhaltend-freundlich wie im Film. Eine elegant geschwungene Treppe weiter hinauf.
   Meine zwei Frauen sind in alles Modische hinein, kein Gedränge scheuend. Selbst die größten Marken zeigen sich nicht exklusiv-abweisend. Ich blieb leibwächtergleich im Hintergrund, bei Teeny-Marken wie Abercrombie & Fitch ganz draußen, da hab ich mehr gesehen, mehr Leute, mehr Architektur. (Als sei in Europa eine ganze Stilepoche durch Krieg und Nachkriegsmodernismus verlorengegangen, hier steht alles noch, zeigt sich ganz ohne Furcht davor, für faschistisch angesehen zu werden oder nicht jugendstil-lieblich genug.)
   Das viele Geld (oder sind’s bescheidene Löhne?) lässt überall Hilfsfiguren agieren, Türaufmacher, Platzanweiser, Erstberater, mit und ohne Headsets und Funkgeräten an der Hüfte (sog. Halawachln, in meiner Familie keineswegs abfällig gebraucht!). Sofort wird wieder aufgeräumt, dezent geputzt und gewischt (wie bei meinem Rewe in Oberkassel, wo mich immer eine Frau mit ihrer rotierenden Putzmaschine verfolgt …). Bei Sephora – wieder ein schöner Eingang und Innenraum – hatte es meinen Damen ein großer Verkäufer angetan. Sie sprachen über Europa, privat. Die Leute trennen Dienst und Privatleben nicht so strikt wie wir, zumal Touristen aus fernen Ländern gegenüber, und Europa ist das. Am Sonntagabend erzählte uns der Kutschfahrer nicht nur von den Sehenswürdigkeiten des Central Park, sondern selbstverständlich von seiner Heimat Istanbul, und dass er wohl nach seinen Buchhaltungsprüfungen zurück wird müssen: »New York ist was für ein paar Wochen, danach aber wird’s teuer«.

Genug geschwärmt. Irgendwann wurde es am Samstag, besonders für uns Sechs-Stunden-Plus-Ige, dann Abend, der recht rasch hereinfiel. Es wurde kühl, kalt fast, und sollte am Sonntag dann richtig regnen. Die Mädels lagen um acht im Bett, schliefen, ich ging noch aus, bei Connolly’s in der nördlichen Parallelstraße ein Tuna-Sandwich (Thunfisch) zu essen (»rare«), dazu  ein großes Bier (1 pnt Dom, $ 6,50), umgeben von stummgeschalteten Sportübertragungen, natürlich Baseball, blödsinnig langweilig. Netto $ 27,28 samt 18 % gratuity.
   Zu dritt im ausufernden Bett bestens geschlafen.

Sonntag, 7. Oktober 2012, strahlend schön

http://bit.ly/RpHo62
Wir sind eh ganz früh aufgewacht, innerlich-zeitlich einen Vierteltag weiter. Nach sieben waren wir unten beim Frühstück, für das unser Gotham im Internet schon schlechte Noten bekommen hat – weil’s außer Kaffee gar nichts Warmes wie Rührei gibt. Ein wenig strange war’ schon, uns aber genug: die Eiauswahl beschränkt auf eisgekühlte harte Eier, Modell Ostereier vor Bemalung, der Orangensaft hat ganz leichten, aber harmlosen Schmiermittel-Abgang (A Touch of Werkstatt), zwei Zerealiensorten, zwei Sorten Schinken, etwas Käse, leckere Quarkspeise, Gebäck in Form von Croissants, Muffins und Beigel.

   Ich hatte die Familie überredet, in die Messe zu gehen, den Messplan im Internet auf Anhieb gefunden  (im schönen Gegensatz zu all den Bonner Kirchen). St. Patrick’s (mit Apostroph-s wie eine modisch-beliebte Bar) ist eine große neugotische katholische Kathedrale mit »über 2400 Messen im Jahr« (Programmheft) mitten auf der Fifth Avenue, dem Rockefeller Center gegenüber, und wird außen zur Zeit renoviert. Wir kamen gerade recht zum Hochamt um neun. Die Massen strömten. Mit uns eine Horde Pfadfinder – polnischstämmige, wie sich bald herausstellte. Von Ordnern bestens eingewiesen, bekamen wir letzte Plätze weit vorne (nachdem wir uns hinter einer Säule mit Fernsehübertragung – im passenden Hochformat! – eher unwohl gefühlt hatten). Ein gedrucktes Programm wie für eine Oper, dabei kostenlos, führte durch das englisch-polnische Programm mit Bischof. Routiniert klappte er seine Mitra auf und zu, für die Wandlung nahm er sogar seine Kippa ab – die im Katholischen natürlich nicht so heißt, wie ich eben herausfinde, sondern Pileolus . Die Wandlung übrigens deutlich pro multis! Evangelium (Mk 10,2-16) und Predigt (richtig oben von der Kanzel!) über das Scheidungsverbot, streng ausgelegt, tät sich bei uns keiner mehr trauen. Viel Patriotismus, gleich doppelt, für die USA und für Polen. Rot-weiß. Die »Litte Miss Polonia 2012« (Martyna Drzewicki, Bild auf der Seite von Ozone Park) wurde vom Bischof besonders begrüßt.Gesammelt wurde mit großen Fischerkörben an langen Stangen, Klingelbeutel Größe XXL sozusagen, zweimal, denn: »Saint Patrick’s Cathedral receives no outside financial support. We rely entirely on your generosity to meet our expenses.« –  Mich rühren halt klassische Messen tief. Hier trotz Fotografiererei und allgemeinem Herumgelaufe.
   Danach wollte G. nach »Little Italy«, das ist fast ganz im Süden der Halbinsel Manhattan.. Mit dem Taxi kein Problem, und bei drei Personen auch nicht viel teurer – als was? Alternativen haben wir die ganze Zeit nicht probiert; aus einem Bus sind wir geflohen, weil der Fahrer abgezähltes Wechselgeld in Münzen haben wollte oder einen Fahrschein, den es bei Kiosken gibt. Wir fuhren mit einem Hybrid-Taxi (Strom und Benzin), das sind viele in NY, sogar Busse rumpeln »hybrid« herum, auf diesen schlechten Straßen, mit einem Heck voll Warnhinweisen vor Strom. Little Italy bei Regen und relativ ziellos, das war eigentlich nichts. Und doch: Am Weg ein Blick auf einen mehrstöckigen Autoparkautomaten, ein Gerüst mit angehobenen Fahrzeugen (Carla: »Wie kommt denn da der Oberste heraus?»). Ein orthodoxer Priester, der bei offener Kirchentüre die Sonntagsmesse las, und wohl hoffte, das würde fromme Laufkundschaft anlocken. Eine verstaubte Tischlerwerkstatt. Überall Goldankauf, Läden voller Schmuck in allen Farben, eine »Breitling« mit soviel Brillanten rundherum, dass sie nur gefälscht sein konnte. Wir haben dann ein Kleinkaffeehaus gefunden, Oro, im typischen US-Rustikalstil mit dicken braunen Tischplatten, Bänken und Hockern, die aber aus Aluminium. Gegenüber war ein Bombongeschäft, in dem eine vermutlich alternative junge Frau Bonbonmasse bearbeitete und zu unlutschbar großen Lutschern formte. Touristinnen fotografierten sich gegenseitig in Lutschpose, ohne was zu kaufen. Ich finde das immer bissl unfair.

RR in Downtown Manhattan
http://bit.ly/UXWdU2
   Mittag gegessen haben wir dann bei Amici II, eher nicht gut, denn anschließend bekam Carla derart Bauchrühren, dass wir nach Hause fahren mussten. Der Tag war eh regnerisch, und wir noch recht jetgelagt.
   Abends wurde es dann schöner. Wir also auf gen Norden, auf der Fifth Avenue zu Apple, zumal eine Bestellung für einen neuen, grauen Ipod-nano vorlag. Ich mag ja sonst Apple nicht, gefühlsmäßig, bin dann aber gerne mit Carla die gläserne Wendeltreppe hinunter in das Apple-Paradies gegangen. Leider: nicht lieferbar, kommen Sie in vier Wochen wieder. Dafür haben wir dann bei einbrechender Dunkelheit und fünfzig Dollar eine schöne Kutschfahrt in den Central Park gemacht. Davor noch einem Brautpaar beim Fotografiertwerden vor einem 1933er Packard zugeschaut. Der türkische Kutscher war sehr nett, wir sehr glücklich.
http://bit.ly/X9vjG4
   Ein Absatz für Techniker – sonst bitte überspringen. Nachts bezw. frühmorgens habe ich immer »Fotos gemacht«, sie in den Thinkpad kopiert, gesichtet und etwas bearbeitet (ich schätze z. B. quadratisches Format) und dann »eingepickt« ins Internet-Album. Und mich um die Technik gekümmert. Das Hotel hatte Gratis-W-Lan (Netz »Gotham«, Passwort »Gotham«), eher langsam, aber ausreichend (1 Mbit/s Download, 718 kbit/s Upload, 211 ms Ping). Zwischendurch musste man sich wieder anmelden, nur wie, wenn man schon im W-Lan ist, nur halt nicht ins Internet weitergeschaltet? Gotham-Seite aufrufen, man wird dann neu nach dem Passwort gefragt. Trotzdem: Das nächste Mal nehme ich mein Lan-Kabel mit. Aus Outlook ging keine Mail ab, jedes Mal fragte der SMTP-Server nach dem Passwort, langes Herumprobieren. Erst in Bonn ging’s dann wieder einwandfrei und ohne Änderung. Ob das Hotel bestimmte, populäre Ports sperrt, und das Mailsystem dies fälschlicherweise als Server-Ablehnung interpretiert? Nur gut, dass es Webmail gibt, in meinem Fall Gmail. Carlas Ipod, am Laptop nur zum Laden angesteckt, rief nach langem Anlauf ein uraltes Itunes hervor, nur um mitzuteilen, dass es inkompatibel ist. Ihre Fotos ließen sich mit dem sich hurtig anbietenden Picasa nicht holen, Dateifehler, erst später ging’s mit dem normalen Windows-Explorer, den man allerdings dazu erst ermutigen muss. Ich weiß schon, warum ich Apple nicht mag. Dann: Mein Blackberry hatte nach einem langen Tag mit angeschaltetem Latitude, sprich GPS-Ortung zur Orientierung am Stadtpan, eine platte Batterie. Aufladen gelang nur scheinbar. Das Netzgerät speiste zwar ein grün leuchtendes Lichtlein, nicht aber richtig die beiden USB-Ladeausgänge. Es muss an der Bloß-110-Volt-Versorgung gelegen haben, nominal zulässig, im Resultat jedoch trügerisch. Mit »totem« Akku spielen Blackberrys denn auch total tot: Ein rotes Licht geht eine Zeit lang an, dann aus, dann nichts, gar nichts. Und nichts hilft, kein Batterie-Ziehen, nichts. Erst als ich den Blackberry über den PC lud (und mich in Geduld übte), kam er wieder hoch, das dann aber ohne weiteres Zutun. Nervenprobe. Halt wieder dieser Effekt: Seltene Pannen passieren stets in der Fremde und werden von Software und Hardware stiefmütterlich behandelt, da ja so selten. Übrigens hätte ich im Fotoapparat die Zeit umstellen sollen; das macht hernach Bilder und zugehörige Ereignisse viel leichter einordenbar.

Montag, 8. Oktober 2012, schön – später etwas Regen

Freiheitssatue und »Water Taxi«, http://bit.ly/OzxpOy
Zur Abwechslung wieder schönes Wetter. Grad gut, um einen »Ausflug« zu machen. Wir schnappen uns ein Taxi und fahren »in den Süden«. Es ist noch früh, denn noch wachen wir früh auf. Nur gut, denn die Schlange in der Battery zu den Booten zur Freiheitsstatue und zu Ellis Island ist erst hundert Meter lang ($ 17 + 14 + 9 = 40).. Doch es geht schnell voran. Rasche und doch einigermaßen gewissenhafte Sicherheitsprüfung samt Ausziehen der Schuhe, dann alle aufs Boot. Es geht fast rustikal zu, husch-husch, ruck-zuck, nicht wie bei der Chiemseeschiffahrt. Alle drängen sich auf den noch regennassen Bänken am Oberdeck. Der Blick zurück auf Manhattan, auf die herumflitzenden gelben »New York Water Taxi«s, eigentlich große Katamarane, sehr wendig, und immer mehr und mehr auf die Freiheitsstatue ist überwältigend. Leider zieht das Wetter wieder etwas zu.
   Die Freiheitsstatue wirkt unmittelbar von unten so groß auch wieder nicht. Wir gehen wie alle ein halb Mal um die Insel, G. und Carla landen im Andenkenshop. Das ganze Gebiet ist Nationalpark mit Rangern. Boote fahren alle zwanzig Minuten, immer die Runde: Battery Park (Manhattan), Freiheitsstatue, Ellis Island. Dort ist von den Einwanderungsgebäuden das Hauptgebäude zum Museum verwandelt. Man sieht die Einwanderungshalle im ersten Stock, umrandet von Erinnerungen an die verschiedenen Kontrollen, vor allem an die große Zeit der Einwanderung und die Einwanderer. Wie versucht wurde, sie einerseits willkommen zu heißen, und sie dann doch nach Krankheiten zu untersuchen – Schnelldiagnose und ein erstes OK schon innerhalb von 45 Sekunden. Ein eigenes Krankenhaus, auch als Quarantäne, sollte die von der Überfahrt zusätzlich gebeutelten »Immigranten« kurieren. Familien wurden getrennt und wieder zusammengeführt. Amerikaner können ihre eigene Einwanderungsvergangenheit nachgeforschen, Beispiele sind aufgeführt (meist von Mitarbeitern dort), alle Aufzeichnungen noch vorhanden.
Panoramablick (daher die »Zwillinge«) von der Freiheitssatue auf Manhattan, http://bit.ly/T2F6PR
   Lange sind wir an diesem nachdenklichen Ort nicht geblieben, architektonisch und bis auf die Sicht nach Manhattan ist sonst wenig Verlockendes – ja, eine Station im Hafen hab’ ich gesehen, wieder dieser kastenförmige Monumentalstil, einfach schön.
   Von der Bootsfahrt zurück in Manhattan landeten wir im Battery Park. Kurze Erklärung, was eine Batterie vor der Elektrizität war. Und dann statt Bankenviertel um den Bullen herum ein belebter Wochenmarkt! Banker und Bauern (na, nicht ganz) mischten sich munter um fliegende Händler und Ess-Buden mit allerlei Gebraten- und Gefrorenem.
   Wir wollten dann zum »Bügeleisen« und stolperten auf der Suche nach der Buslinie am »Ground Zero« vorbei. Zu sehen gibt’s wenig, außer in den Erinnerungsheften, die einem an allen Ecken angeboten werden, und natürlich rege Bautätigkeit. Dass der eine Turm von angeblich vieren, der schon hoch gewachsen ist, bereits alles überragt, das erkannten wir erst anderntags vom Rockefeller-Center-Dach her. Er heißt seit 2009 One World Trade Center, vormals Freedom Tower.
Bügeleisenhaus, Flatiron,
http://bit.ly/RrIvC
   Statt Bus dann doch mit dem Taxi zum Flatiron.Die Gegend um dieses alte, kuchenförmige Hochhaus ist tatsächlich einen Besuch wert. Vor allem Eataly: Eine Kombination von Ess- und Lebensmitteleinkaufstempel, in einem Erdgeschoss weitläufig verzweigt, bumvoll, überall muss man anstehen. G. und Carla spendierten sich Eis, mir war ein einäugiges Pfauenauge für fünf Dollar zu viel und zu umständlich, weil man sich erst einen Bon holen muss.
   Draußen dann wieder diese schönen städtischen Sitzgelegenheiten, rote regenfeste Kaffeehaustische und Stühle, die zum Verweilen einladen. Da sind sie großzügig, die New Yorker, überhaupt: In keinem Klo fanden wir einen Teller zum Abkassieren – nicht einmal im Waldorf-Astoria. Und überall sauber, die Straßen ohne Zigarettenstummel (Rauchen ist eh ziemlich »out«), ohne Kaugummi-Sommersprossen, die Leute freundlich, und wenn sie einen nur fragen: »Where are you from?«. Gleich beim Flatiron – im Bild links – ein Park. Hier waren zwei Seifenblasenmacher, die mit zwei Stangen und einem Seil dazwischen aus Eimern riesige Seifenblasen zauberten. Kinder – auch Carla – durften mitmachen, ohne dass dafür gleich etwas verlangt wurde. Dann: viele fette Eichkätzchen, die grauen, die amerikanischen. Und, als Spezialität, ein Hundepark, »for security only one dog per person« und nur über eine Schleuse erreichbar, einfach umzäunt. Drinnen rennende, bellende Hunde, die ihre Freude hatten, und mehr oder weniger stolze Hundebesitzerinnen und -er. Entspannte Zeit, auch für uns.
   Wir sind dann den ganzen Weg zurück zum Hotel im Norden zu Fuß gegangen, am Empire State Building vorbei, das unten ganz normal aussieht, vielleicht ein wenig stilsicherer als die Häuser daneben. Ich muss herausfinden, wie dieser 1920er und 1930er Stil heißt, Jugendstil ist’s nicht, Bauhaus schon gar nicht, halt monumental-rechteckig, mit gutem Gefühl für Proportionen und Dekorationen. Am deutlichsten wird’s im Rockefeller Center.
   Ich hatte eineinhalb Stunden Zeit, mir alles anzusehen und darüber nachzudenken, denn G. und Carla hatten ein Perlengeschäft gefunden. Lauter Perlen zum Bändermachen. Die Mädels kamen und kamen nicht wieder …

Dienstag, 9. Oktober 2012, regnerisch-verhangen

Fritz Firefighter, http://bit.ly/QZtUAM
Gerade für diesen Dienstag hatte G. Karten für den »Top of the Rock« vorbestellt ($ 25 + 23 + 16). Das ist die Aussichtsplattform oben auf dem Rockefeller-Center. Als wir hinkamen ein massives Aufgebot von Feuerwehren, aber auch Fahnen und Fröhlichkeit. National Safety Day wurde hier mit den Obersten der Firefighters und in Schulbussen herangekarrten Schulkindern gefeiert, wie immer so pathetisch und patriotisch, dass man sich als kritischer Deutscher nur wundert. Über dreihundert »Jungfeuerwehrleute« und EMTs werden richtiggehend vereidigt.Auch wir bekamen gleich eine Kindertüte mit rotem Plastikhelm (zu klein für alle von uns), mit einem für den Anlass gedruckten Comic voller Tipps gegen Feuer (»Große Verbraucher schließe ich nie mit einer Verlängerungsschnur an«, »Wenn du in der Küche kochst … bleibst du in der Küche« bis hin zu »Wenn deine Eltern rauchen, pass auf, dass sie nie im Liegen rauchen, besonders wenn sie müde sind oder ›medicated‹«.) Für das Heft zahlen Sammler bereits $ 15 (PDF-Kopie von mir auf Wunsch. Tolles Heft!) Sogar eine hochwertige Neun-Volt-Blockbatterie war dabei, für den Rauchmelder.
Ruhe in der größten Höhe,
am »Top of the Rock«,
http://bit.ly/T2LXbO
   Wir sind dann doch hinaufgefahren mit dem schnellen Aufzug, in dessen gläserne Decke bei Auf- und Abfahrt dramatische Effekte eingeblendet werden – für Ängstliche nicht gerade beruhigend. Oben kalt und unfreundlich wie am Brenner, nur angenehm windstill. Die Spitze des Empire State Building, das ein wenig höher ist, steckte in den Wolken. Der Fernblick nach New Jersey über den riesigen Central Park hinweg war trüb, die George-Washington-Brücke über den Hudson gerade noch erkennbar. Schade. Die zweistöckige offene Aussichtsplattform (69. und 70. Stock) ist umrandet von den originalen metallenen Abschlussdekorantionen – einer Art Blätter – und davor dicke, hohe Glasscheiben, die in den Boden eingelassen sind. Dazwischen objektivbreit Schlitze zum Durchfotografieren. Wir nahmen’s gemütlich – es gibt ja auch überall Bänke und Sitzgelegenheiten – und, wie alle, uns gegenseitig auf.
Jeff Koons, Michael Jackson und Bubbles, 1988, ©Jeff Koons
   Nach diesem veritablen »Höhepunkt« stand – schon wegen dem Wetter – das Metropolitan Museum of Art auf dem Programm. Wir ließen uns mit dem Taxi hinfahren. Die obligatorische Pause (eine raucht, der andere geht unten in die »public entrance« zum Pinkeln …) verkürzte eine schwarze A-capella-Gruppe.
   G. hatte über das Internet schon Karten besorgt ($ 25 + 17 + 0 + 2 fee), gut, gut aber vielleicht etwas zu vorsorgend, denn überall gibt es kostenlosen Eintritt für Presse (mich), Kinder unter 14 sind frei usw., bis hinunter zum Eintritt für wahre Schnorrer, der »Public Entrance«, links seitlich unten. (»At most of these museums the full-price admission price is posted, but you can tell the cashier how much you want to pay and they will admit you. I’ve done this several times when I am just visiting a museum for a brief period of time. Do note: you can’t purchase tickets online for less than the suggested admission«. »Although they raised the suggested admission to $25, you can pay what you can afford to see one of the greatest art museums in New York City.« 
Dendur-Tempel,
http://bit.ly/QmbkRP
   Das Museum haben wir dann fast systematisch von oben nach unten durchwandert, jedenfalls oben mit den Modernen angefangen, mit »Wendy Warhol« (Carla). Viele deutsche Maler, Richter, Kiefer, aufregend. Bald sind wir hinunter, in die Klassik sozusagen, Vermeer, Bosch, Rembrandt, die Spanier, vom Alleredelsten, siehe meine Bilder. Und wieder Picasso, Degas, van Gogh – es wird noch ein paar mehr Museumsbesuche brauchen, bis das auch für Carla präsente Namen und Bilder sind. (Ich habe mir meinen Bildergrundstock erst als Student in Berlin ersehen, in Dahlem und auf der Museumsinsel, allerdings mit den großelterlichen Besuchen als Schüler in Florenz und Italien in Erinnerung.) Hier nun war ich wieder ungeduldig, wollte sehen, sehen, sehen, und ließ die Damen schon mal Kaffeetrinken, während ich rasch noch durch das alte und uralte Ägypten wanderte (hatte ich in Ostberlin so gern mögen, im – damals – staubigen Pergamonmuseum) – und einen »neuen« Tempel fand, großartig und großzügig in einem eigenen neuen Saal aufgestellt (Dendur-Tempel). Das Museum schloss dann um halb sechs, eine Viertelstunde früher wurde schon verscheucht.
   Was tun mit einem angebrochenen Abend? Leicht zu erraten: zu Macys fahren. Einmal ein klassisches amerikanisches Warenhaus sehen. Nicht nur sehen: Da muss man schon richtig einkaufen, um es zu erleben, nicht wahr? Ich also Timberland-Schuhe, $ 90 + Tax, und viel Weiteres für Carla. Ich war eigentlich  todmüde, denn ich hatte schon seit vier oder fünf Uhr Früh Bilder sortiert und ins Netz gestellt. (Diese Zeilen schreibe ich jetzt erst in Bonn, bei gutem Tee und Jetlag.)
Für Carla und mich ein Steak,
http://bit.ly/TQnINP
   Nach Macys wollten wir, wie immer Abends, nur eine Kleinigkeit trinken, landeten dann aber im Café Martinique. Bestens, eine professionelle junge (schöne) schwarze Bedienung, wie sie in Paris nicht hätte vornehmer und zuvorkommender sein können. Für Carla und mich eine Zwölf-Unzen-Pimerib, rare, mit Kartoffel und Broccoli (die sehr grün und stets eher roh sind in NY), für G. einen Burger mit cheddar. Außerdem: Ich mag das helle, leichte, amerikanische Bier, hier ein Draft Coor’s Light. Fürs Essen für drei haben wir meist so von 55 bis 80 Dollar ausgegeben, hier 69,03 plus Trinkgeld.
   Danach zu Fuß heim und inne Heia!
(Bis Mi. früh 21.940 S)

Mittwoch, 10. Oktober 2012, schön, sehr schön

Carlas Bär wird gefüllt,
http://bit.ly/TS2Juj
Am Morgen ward Carlas Bär geboren, »Mary Teddy« – aus einer selbstgewählten Haut und Hülle, einem roten Herzen und reichlich Daunen, bei Build-a-Bear, 565 5th Avenue (deutsch: »Die Bärenmacher AG«. Zurzeit gibt es in Deutschland 19 Shops und 400 weltweit, das nächste in Köln, und wir Bonner Kleinstädter meinten, nur in New York) – siehe Bilder. Dann kam eine erste Portion teurer Accessoires dazu. Die Freude war riesig, Vater glaubte es kaum. Das verlockende Bärensmartphone macht nur Geräusche und blieb da.
   Danach wurde es ernst. Das Museum of Modern Art ist ganz in der Nähe (Dienstag Ruhetag), einfach die Fifth Avenue hinauf (an Swatch vorbei, verlockend) und nach dem Rockefeller-Center die West 53. nach links. Die Schlange war lang, weil das Museum erst um halb elf aufmacht. Wir waren also gerade recht. Alles sehr expeditiv, Gratis-Presseeintritt an der Info, sonst für Erwachsene $ 25, und dann wir gleich hinauf in den obersten Stock. Dort lief eine Sonderausstellung über das vergangene »Jahrhundert des Kindes« (Century of the Child), mit viel Fröhlichem und viel Nachdenklichen. Erziehungsbewegungen hauptsächlich aus Deutschland (Waldorf) und Italien (Montessori), doch nichts über die antiautoritäre Erziehung der 68er oder Internate als Erziehungsanstalten zu irgendetwas Besonderem. Mangels Masse, sprich Kindern hier, hat sich das alles eher überlebt. Doch was gäbe es da in aller Welt zu tun, Modell SOS-Kinderdörfer (518 weltweit). Rückblende: In Ellis Island Berichte über Verschickung armer Kinder in den Westen, teils Waisen, teils Freiwillige.
Sonderausstellung im Moma,
http://bit.ly/SXMc1A

   Danach Picasso, van Gogh, Monet, Modigliani, Matisse, … the lot, dazu Neues, uns Unbekanntes, zum Teil in Sonderausstellungen, etwa El Lissitzkys kommunistischer Katalog für die Kölner Presse-Ausstellung 1928 (»Genossen, Arbeiter und Arbeiterinnen! Schreibt an den ›Hammer‹«), Photographie oder unanständige Lampen von Anna Szapocznikow. Drei ernste Selbstportraits von Käthe Kollwitz.
   Die überraschendste Begegnung im MoMa war die mit Carlas Mathelehrer und seiner Frau, beide noch etwas übernächtig vom Jetlag und von Feiern mit ihren beiden Kindern, die in Amerika sind, wenn ich das recht verstanden habe. Zum Schluss dann noch die marketingmäßig exzellent durchgezogene Aktion »I went to MoMa and …«. Weiße Karten im Format eines größeren Kellnerblocks werden beschriftet und bemalt, dann in kleinen Fenstern im Tisch gescannt und veröffentlicht – eine Videowand im Eingang ist voll davon. Es  kommen zum Teil recht witzige Statements und Grafiken zusammen, aber auch viel spontaner Schmarren. Karten mit Farbe stechen besonders heraus. Die Nummer der Karte sollte man sich merken, jedenfalls die Karte nicht wie wir wegwerfen. Zuhause fanden wir Carla und G. trotzdem, nach Datum, hier gleich hinter einem rotlippigen Kuss und G. gleich danach. (Alle Karten des Tages siehe www.MoMa.Org/iwent/?=20121010)
   Nach dem Erlebnis »MoMa« wanderten wir Richtung Grand Central Station, die etwas weiter südöstlich liegt, über die Madison- und Park-Avenue. Ich konnte es mir nicht verkneifen, bei Swatch eine graue Stoppuhr zu erwerben, Modell Chronoplastic, SUSM400, $ 120 (immer + 8,8752 % Tax = $ 130,65 = € 100,91, hier € 90), und dann bei J. Press (»since 1902«, und sogar das Zwischenlegpapier mit Wappen!) zwei schöne Fliegen ($ 130).
   Das Hotel Waldorf-Astoria hatte italienisch geflaggt (nur neben der amerikanischen Fahne natürlich) und wird restauriert, zurück zum ursprünglichen Stil. Inzwischen weiß ich auch:
   Der in New York so herausstechende Stil, bei uns nicht präsent, nennt sich Art déco. Ein Blick in die Wikipedia, auch die englische, lohnt. Ich erinnere mich noch deutlich an das Rex-Kino in Paris, siehe 1. Mai 2008 und vor allem «Le Grand Rex» (Bild dort klickbar). Schön auch Gedanken zu einem Wasserspeier am Chrysler-Hochhaus und A New York Central Mercury train is dwarfed by Cleveland’s Union Station, November 1936. Photograph by J. Baylor Roberts, National Geographic.
   Dazu kommt eine monumentale, meist wohl einfarbige Wandmalerei, die stilistisch von Art-decó entfernt ist, mich eher an sozialistischen Realismus erinnert. Besonders ausgeprägt wiederum im Rockefeller-Center, aber auch abgeschwächt hier im Waldorf-Astoria. Eine reine Kunstreise sollte man nach New York machen, um all das zu sehen und zu entdecken.
   Wir haben in der vornehmen Atmosphäre hautsächlich die feinen Restrooms geschätzt, die selbst für Touristen wie uns mit umgehängtem Fotoapparat ohne mit der Wimper zu zucken frei zugänglich sind. Pinkeln im Waldorf-Astoria! (Ich hatte dort schon übernachtet und eine Fernsehübertragung von Tandem aus Kalifornien erlebt, in einem anderen Leben, als ich mit der Concorde nach New York und zurück geflogen war.)
   Vor der schweizer UBS parkten Limousinen, unter anderem ein Kleinbus mit Bullen als Kühlerfigur. Die nord-südlich veraufende Park-Avenue verzweigt sich beim Helmsley Building und führt rechts und links im ersten Stock durch das Gebäude. Ein Gefühl wie auf der Tauernautobahn hinter Golling, wenn die Straße wie in eine Wand hinein führt.
Grand Central Station, Vier-Fotos-Panorama oben vom Bahnhofsrestaurant, http://bit.ly/PwXAXq
   Der New Yorker Hauptbahnhof, die Grand Central Station, ist wirklich überwältigend. Wir kamen von oben herein. Da überblickt man den ganzen, großen Raum. Wie eine Diva oder ein Fürst blickt man über sein Reich, schreitet dann die Treppe hinunter, ist Herr der Lage, nicht umgekehrt. Diesen Effekt hatten zuletzt die Flughäfen Stuttgart und besonders Tempelhof, im Gegensatz zu den modernen Labyrinthen heutiger Flug- und Einkaufszentren. Auf der Balustrade eine herkömmliche Bahnhofsgasstätte erster Klasse, in der Mitte des Raumes ein Informationskiosk, Ausgänge zu den Geleisen und zu einem Feinschmeckerparadies für Gewürze, Gemüse, Obst, alles. Alles blitzblank, wie hundert Jahre täglich Bohnermaschine, erst auf den Geleisen der übliche Schmutz. Fahrstrom kommt U-Bahn-gerecht aus einem seitlichen Stromabnehmer; die Fernzüge haben wir wohl nicht gesehen. (Ton hier)
   Danach, wieder an der Oberfläche, nicht ins klassische Café Centro, auch nicht in dessen populäre Freiluftbar daneben unter einer Überführung, sondern bei einem schönen Starbucks, draußen auf der Straße bequem auf der breiten Marmorkante des Schaufensters gesessen. Dann nach Hause.
   Abendessen bei einem Chinesen zwei Straßen weiter nördlich (China Moon, 7 East 47 Street, $ 70,28 »pre-tip amt«).
(Mi 9.410 S)

Donnerstag, 11. Oktober 2012, strahlend schön – letzter Tag

Audrey Hepburn singt Moon River,
1961, davor die Feuerleiter. Anklicken!
Unser letzter Tag in New York. Da bin ich in der Früh noch einmal allein zum Times Square spaziert, hab’ mir die eiligen Bürogänger und -innen mit ihren abgedeckten Kaffeebechern angesehen und den Neubau in der 47. Straße West. Gebaut wird hier ja fast ohne »Footprint«, einfach ganz oben die jeweils obersten zwei Stockwerke. Unten hängen höchstens große Plakate des Maklers und ein Auffangnetz. Modern sind verspiegelte Fenster, am Neubau hier sogar ein Muster bildend wie für einen Bilderrahmen aus Glas. Daneben alte Häuser, baufällig fast, schmal, mit den charakteristischen Feuerleitern für Filme (wie Pretty Woman, anklicken!) und Fluchtszenen.
   Dann zuhause im Hotelzimmer Einpacken, G. ist da Profi, wobei neu ein drittes Großbehältnis dazukommt, eine mitgebrachte Vorratstasche für gebrauchte Wäsche und Netzgeräte, auf dass in den beiden Koffern Platz werde für Neues. Nur gut, dass wir innen noch einen Wäschesack als Hülle hatten: Der äußere Plastiksack verlor auf der Reise nach und nach seine Griffe und kam genau nur bis Kelsterbach. Glück gehabt. Diskussion über Nachzahlung im Hotel. Sie hatten einen Zwischenstecker in Rechnung gestellt, $ 18, den gab ich dann lieber zurück. Wieder ganz gut gefrühstückt; wir hatten uns schon an die begrenzte Auswahl gewöhnt, den Toaster, auf den man aufpassen muss und die Milch, die es nur in Halbpintgröße gibt (236 ml), »No significant difference in milk from cows treated with artificial growth hormones« – Das sollte bei uns mal wer draufschreiben, das gäbe einen Öko-Aufschrei! 
   Dann noch ein letztes Mal frische Accessoirs für Mary, den neuen Bären. Oh Gott!
   Hernach zum American Museum of Natural History an der Westseite des Central Parks, dem Naturkundemuseum, das Salzburger Haus der Natur hoch drei ($ 25 + 22 + 14,50). Carla hat es schon gekannt, aus  »Nachts im Museum«. Wunderschöne holzgerahmte alte Dioramen, von der Taj Mahal übers Matterhorn bis zur tiefsten Tiefsee (nicht fotografiert, weil zu finster). Ein ganzer, dunkler Saal für Fische, wieder so ein offener, weit umfassender Raum, in den man von oben über eine Treppe hineingeht. Der Haupteingang wie so oft klassizistisch-national-pompös, edle, heroische Sprüche Roosevelts. Nun denn, was ist das gegen unsere heutige politische Korrektheit, die überall ihr Unwesen treibt und Sprache verfloskelt.
   Danach war noch Zeit für eine Wanderung zurück durch den Central Park; Seen, große Granit-Findlinge zum Hinaufsteigen, Wege, ein riesiger »englischer« Park. Wir gingen noch bei den Strawberry Fields vorbei, der Gedenkstätte an den unweit ermordeten John Lennon. Herdenauftrieb. Die Touristen wollen auf dem »Imagine«-Mosaik abgebildet werden, das geht nur in der Hocke. Kurioser Effekt: Alle beugen die Knie (vor dem Beatle John Lennon, was sie in einer Kirche wohl nie täten). Dazu sang ein Schwarzer zur Gitarre, schlecht, obwohl in dieser quiet zone vorgeschrieben ist: »no ampified sound or musical instruments«. Wir haben dann den Park weiter schräg hinüber zur Fifth Avenue gequert, durch ein lichtes, unauffälliges Gedenkwäldchen für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Amerikaner, dann noch das nun schon vertraute Stück von Apple hinunter zu unserem Hotel.
   Es wurde 17.15 Uhr, bis wir mit einer vom Hotel bestellten Lincoln-Limousine (von Ford) zum Flughafen aufbrachen. Der nette Fahrer, George Washington oder ähnlich anspruchsvoll mit Namen, sechzig (sein Führerschein und die Zulassung waren offen eingeklebt), stammte aus der Dominikanischen Republik, fuhr ausgesprochen geschickt durch den Stau, über die hohe Queensboro-Brücke (hier nicht Queensborough geschrieben) mit letztem Blick auf Manhattan, erzählte uns von viel Nachbarschaftshilfe in der Karibik und hier in New York, seinem Haus in Queens, seinen Fahrten. Wir erreichten noch rechtzeitig den Flughafen, zumal G. vom Hotel aus online eingecheckt hatte: Checkin ohne Schlange! Rege Bautätigkeit, Durcheinander. Nun schon routinierter Abflug in der Dunkelheit, gate A6, Start ca. 45 Sekunden bis zum Abheben, SQ25 Plätze 34 H, J, K. Im Flugzeug minderes Abendessen, noch viel minderes »Frühstück«, dazwischen Filme und Schlafen. Ich konnte fast nicht mehr sitzen, obwohl ich zwischendurch wie immer an diesem Tagebuch gebastelt habe.
   In Frankfurt Freitag zehn Uhr morgens, kalte acht Grad, leichter Regen, Morgengrauen, besonders für uns Übernächtige. Warten auf den Hotelbus. Transfer zum Mercure. Umpacken ins Auto, endgültiges Wegwerfen des Plastik-Wäschebeutels. Einkaufen im nahen Edeka. Rückfahrt nach Bonn, beide sehr müde, erst ich, dann G. protestierend: »Nach dreißig Kilometer machst du immer schlapp!«. Hier alles herbstlich.

Eine sehr erlebnisreiche, bildende Reise, einmalig und lang anhaltend in Anregungen, Gedanken, Erinnerungen. Teuer wie eine Kreuzfahrt, dafür aber bewegter, gesünder und viel selbstbestimmter. Die US-Formalitäten mühsam, dann aber halb so schlimm in der menschlichen Realität. Danke, G.!

Bilder, wie gesagt, auf http://picasaweb.google.com/Fritz.Joern/NY?noredirect=1
(Bis Sa früh. 17.187 S)
Dosen in USA 12 fl. oz. = 355 ml; hier entspr. 330 ml
Tax 8.875 % vgl. http://en.wikipedia.org/wiki/Sales_taxes_in_the_United_States#New_York


––––––––––––––––––––
s. a. TagebuchNY.doc
Permalink hierher http://blogabissl.blogspot.de/2012/10/new-york-im-oktober-2012-ein-kleines.html

2. Oktober 2012

Es war einmal …
Kirchensitten 
Eine Anleitung mit Rückschau

Hier was aus dem vorigen Jahrhundert, fast schon aus dem vorvorigen. Es geht um Kirchenbesuch, zunächst einmal in einer römisch-katholischen.
   Wer hier in eine Kirche geht, der braucht nicht wie anderswo vielleicht die Schuhe auszuziehen, als Zeichen für Respekt und Hochachtung. Dennoch ein paar Empfehlungen:
   Bei fremden Leuten, und sei’s bei Gott, benimmt man sich zurückhaltend. Hat man dort etwas zu tun, sagen wir, fromm dem Sonntagsgottesdient zu folgen, so zeige man durch sorgfältige Kleidung, dass man nicht nur so mal zufällig vorbeigekommen ist. »Sonntagsstaat« ist nicht mehr üblich, aber allzu abgerissen sollte einer nicht daherkommen.
   Die Kleidung soll nicht zu sexy sein, die Kirche ist kein Chat- oder Flirtraum. Allzu kurze Hosen, Haare auf der Brust, tiefe Ausschnitte, das alles lenkt Betende ab, und der liebe Gott weiß ohnehin, allwissend, wie das aussieht. Kirchen im Süden, etwa der Markusdom in Venedig, verlangen bedeckte Schultern und mindestens lange Hosen. Wallende, offene Haare sollte man dort mit einem lockeren Kopftuch bedecken – ev. schwarz und mit Spitzen. Es war Sitte, dass Männlein und Weiblein getrennt saßen, die Männer rechts, die Frauen links. Das ist in Vergessenheit geraten.
   Betritt man die Kirche, so kann ein kleines Kreuzzeichen mit Weihwasser nicht schaden. Das Bekreuzigen darf bescheiden ausfallen: ein Kreuz auf der Stirne, eins auf den Lippen (oder am Kinn) und eins auf der Brust. Das große Kreuz mit Armwedeln nach links und rechts (Stirne, rechte Hand zur Brust, dann zur linken Schulter, zur rechten) ist beliebt und macht mehr her. Doch Bescheidenheit ist eine Tugend. (Was eine Tugend ist, moderne Leserin oder Leser, steht in der Wikipedia. »Bescheidenheit« mag als Wort noch bekannt sein, allerdings eher abwertend …)
   Männer nehmen Hut oder Mütze in der Kirche ab, so sie solches tragen. Ausnahme: Schützen in Uniform mit Gamsbart am Hut.
Albrecht Dürer - Betende Hände
   Die Hände habe man nicht in den Hosentaschen oder sonstwo, sondern gefaltet. Verlegen vor Gott braucht keiner zu sein. Dabei werden die Finger ineinander verwoben. Wie bei Albrecht Dürer muss es nicht aussehen, das fällt heutzutage auf.
   Passiert man den »Äquator« der Kirche – ich nenne die Mittelachse einmal scherzhaft so – so gedenkt man der vorne am Altar im Tabernakel eingeschlossenen, geweihten Hostien. Nach katholischer Auffassung sind sie durch die Wandlung zum Leib Christi geworden, dem man Respekt zollt durch eine Kniebeuge und ein Kreuzzeichen. Also nicht beliebig in der Kirche herumwandern, sondern beim Wechsel von einer Seite zur anderen kurz nach vorne sehen und hinkien, mit einem Knie. Das Mindeste ist eine Verbeugung mit Kreuzschlagen (Bekreuzigen).
   Protestanten machen das nicht. Ihre Auffassung von der Wandlung ist eine leicht andere. Bei ihnen ist Gott überall in der Kirche, und nicht irgendwo ganz besonders.
   »Läuft« gerade eine Messe, wenn man eine Kirche besichtigt, so störe man die Gläubigen nicht durch auffälliges Herumlaufen und lautes Vorlesen aus dem Reiseführer.
   Die Teilnahme an der Kommunion ist formal nur Katholiken erlaubt, die ohne schwere Sünde sind. Das aber ist ein anderes Thema und sehr umstritten. Jeder möge das halten, wie er mag. Allgemein aber halte man offensichtlich unmündige Kinder – strenggenommen alle, die noch keine »Erstkommunion« hatten – vom Kommunizieren ab. Der Priester oder die Priesterin (die ist dann übrigens keine), der oder die die Kommunion austeilt, wird Ihr Kind gerne durch Handauflegen segnen. In der Wirkung ist das sogar besser als eine unwürdig genommene Kommunion.

Soweit mein Kochbuch für den Kirchenbesuch. Kommentare können kommen: Fritz@Joern.De