26. Dezember 2011

QR-Kodes – für Quick Response, schnelle Antworten, schnelle Zugriffe
Es dauert natürlich seine Zeit, bis man überhaupt gefunden hat, wie die Dinger auf den Plakaten und in den Zeitungen heißen. Die hier mit den drei Ecken heißen »QR-Codes«.
···Drauf stehen kann alles Mögliche, notfalls passen fast dreitausend Bytes in ein solches Quadrat, je nach Fehlerkorrektur (mehr hier) : Telefonnummern, Adressen, informierende Texte, Premium-SMS, vCards, WLAN-Zugangsdaten, Anfahrbeschreibungen oder Geodaten. Die Verwendung ist lizenzftrei.
···Zum Lesen habe ich mir auf den Blackberry das Programm »Scanlife« heruntergeladen und installiert (Version 3.1.19, Build 1R3.2s.9a.3.0), Downloads hier.
···Den Kode hier links oben habe ich mit Kaywa gemacht, siehe unten, und dort einen Link zu meiner Familienseite eingegeben. Man fotografiert den QR-Kode mit der Kamera des Handys, die Software erkennt, dass es sich um einen Link handelt, und fährt hin. Die eigentliche Grafik habe ich mir nicht kopiert. Sie ist bei Kaywa hinterlegt und wird über einen hier in diesen Blog eingebetteten Link angesprochen. Den Kode bekommt man von Kaywa. So sieht er aus: <img src="http://qrcode.kaywa.com/img.php?s=8&d=http%3A%2F%2Fwww.joern.de%2Ffam.htm" style="float:left; margin:0 10px 10px 0; alt="QR-Kode" /> – dabei liegt die Bildquelle (img src, image source) bei Kaywa und enthält, wie man gut sieht, den Hinweis auf http://www.joern.de/fam.htm. Die Kleiner- und Größerklammern gehören dazu. Das »style="float:left; margin:0 10px 10px 0; alt="QR-Kode"« ist unwichtig; es stammt von mir, besagt, dass die Grafik links vom Text erscheinen soll und dass der (unsichtbare) Rand oben 0, rechts und unten 10 Pixel und links wieder 0 Pixel breit sein soll. Die alt-Bezeichnung gibt an, dass bei fehlendem Bild dort »QR-Kode« stehen soll. Normales HTML.
···Lässt man sich den Kode von QR-Spider machen, ist bissl Reklame von denen dabei. Bitte ausprobieren.
···Privat haben QR-Kodes Sinn etwa auf der Visitenkarte. Bei meinem kurzen Namen habe ich Glück gehabt: Joern.De/Fam einzutippen macht wenig Mühe, wenn ich aber Rempremmerding hieße, dann wäre das schon aufwendiger. Um Bücher in seiner Bibliothek zu finden, helfen QR-Kodes nicht, besonders, wenn die Bücher schon in zwei Reihen hintereinander stehen. Dann braucht man Funk, also RFID, und das wird teuer.

Links (Muster):
Strichkode http://de.wikipedia.org/wiki/Strichcode
QR-Kode http://de.wikipedia.org/wiki/QR_Code
Dort ein QR-Textbeispiel http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Qr_code-Main_Page_en.svg&filetimestamp=20070305162636
Kaywa-QR-Kodegenerator http://qrcode.kaywa.com/
QR-Spider-Kodegenerator http://www.qrspider.com/
W-Lan-QR-Kodegenerator http://zxing.appspot.com/generator/, dort oben in der ersten Zeile unter »Contents« »WiFi network« wählen.
Leseprogramm http://www.scanlife.com/en/download-application

13. Dezember 2011

AAA-, sprich Ah-Ah-Ah- oder Trippel-A-Minus, tut’s auch!


Eine Senkung von Deutschlands AAA-Rating hätte kaum Konsequenzen.
(Bild aus genanntem Artikel: Keystone / EPA)


»Anleihen-Profis hängen nicht am ›AAA‹-Rating« titelt die NZZ heute im Börsenteil. Sie müssen jetzt nicht den ganzen Artikel lesen, einen Satz will ich allerdings hervorheben: »… Kapitalunterlegung. Bis anhin allerdings sind Anleihen von EU-Ländern – inklusive Griechenland – noch von einer Kapitalunterlegung ausgenommen. Sollte sich dies ändern, was von Experten eigentlich als überfällig angesehen wird, dürfte sich auch das Anlageverhalten der Versicherer ändern.« Was heißt das denn konkret? Was ist denn das, diese »Kapitaluntergegung«? Ganz einfach: Der ansonsten unbegrenzte Geldschöpfungsprozess der Banken durch Kredite, die sie vergeben, oder Anleihen, die sie kaufen, wird begrenzt dadurch, dass die neu geschöpfte Summe zum Teil tatsächlich vorhanden sein muss (»unterlegt«) in Form von Eigenkapital der Bank.
···Googeln wir einmal »Kapitalunterlegung«. Aha. 10. 11. 11: »Bankenverband plädiert für Kapitalunterlegung bei Staatsanleihen«. Und dann kommt’s:
···»In der deutschen Bankenlandschaft hatte sich zuletzt auch der Präsident des Sparkassenverbandes Heinrich Haasis gegen die Nullgewichtung von Staatsanleihen ausgesprochen. Er beklagte insbesondere den daraus resultierenden Fehlanreiz, dass Banken lieber Staatsanleihen kaufen als Mittelstandskredite zu vergeben. Denn letztere müssten sie mit 30% Eigenkapital unterlegen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Staatsschuldenkrise müssen die Banken bis Mitte 2012 eine harte Kernkapitalquote von 9% aufweisen. Diese errechnet sich aus dem harten Eigenkapital geteilt durch die risikogewichteten Aktiva. Wenn Staatsanleihen künftig nicht mehr als risikofreie Anlagen geführt werden dürften, stiege der Wert der risikogewichteten Anlagen. Um die Quote zu halten, müssten die Banken daher neues Eigenkapital aufbringen, das ihnen an anderen Stellen fehlen würde. Auf der anderen Seite würde die Zinsbelastung für Staaten wohl steigen, weil ein wichtiges Argument für den Kauf ihrer Schuldtitel wegfiele.«
···Wird das jetzt klar? Über die Bankenregeln – oft sogar durch eigene Banken – haben sich die Staaten bislang ein System geschaffen, in beliebiger Höhe Geld zu leihen, das durch nichts als den guten Glauben in den Staat »unterlegt« ist. Das mag funktionieren, hat es auch – solange das Vertrauen in den jeweiligen Staat gehalten hat. Inzwischen fragen sich die Leute aber: Wie kann der Staat seine Schulden denn zurückzahlen? Der Staat sagt: Wir machen dann einfach neue Schulden und zahlen damit die alten zurück. Und damit’s uns besser geht, für ein Bisserl Wachstum, machen wir dann noch ein wenig mehr Schulden. Damit aus diesem Perpetuum Mobile keine Lawine wird, soll es jetzt die »Schuldenbremse« geben. Die hatten wir aber schon einmal 1997: Im Stabilitäts- und Wachstumspakt ist konkret geregelt, dass Staaten die Höhe ihres jährlichen Haushaltsdefizits auf 3% ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) und den Stand ihrer öffentlichen Verschuldung auf 60% ihres BIPs begrenzen müssen, Zitat Wikipedia. Sünder sollten sich durch die seit 1992 geltende Nichtbeistandsklausel selbst isolieren. Genützt hat’s nichts. Im entscheidenden Moment haben die Staaten dennoch statt zu bremsen Gas gegeben, haben Griechenland »gerettet« unter dem Vorwand, den Euro zu retten.
···So gut gemeint die nur brachial durchzusetzende Schuldenbremse ist: Ich vertraue nicht darauf, dass sie je einen Politiker wird bremsen können, übermäßig Schulden zu machen und Neuschulden dazu. Der billige Mechanismus, sich von den Banken immer mehr Geld »drucken« zu lassen, muss weg, vielleicht nicht schlagartig, aber gleich angegangen und bald zur Nullverschuldung führend.

9. Dezember 2011

Die Welle – eine Schultheateraufführung im Beethovengymnasium Bonn

Der früher gemobbte Robert Billings (Thomas Karetzki), links, mit Armbinde ist er zum Vorreiter der Bewegung geworden. Rechts »Lehrer« Ben (hier Bonny) Ross (Lena Stemkowitz), dazwischen die Schulklasse gespielt von – v.l.n.r. –: Thomas Karetzki, Yunus Özkan, Jasmin Genc, Sophie Schnell, Valentin Schröder, Florian Schmidt, Nicole Frencesco, Ronja Keuchel, Maria von Kohout, Janna Stremmel, Maike Kaßenbrock, Liza Idris und Frida Schöck. Auf der Tafel: »Disziplin« (Bilder klickbar, zwei kurze Videos über http://www.youtube.com/playlist?list=PL7D2D7D14A9A74017)

»Die Welle« war angesagt in der Schule. Für die Welle wurde geworben – als ob diese Übung für eine Schüleraufführung zu exotisch wäre, zu wenig Theater versprechend. Nur zwei Aufführungen sind geplant. Schon zur ersten kamen rund 250 Leute – Eltern, Schüler, Lehrer, Theaterfreunde.
···Wer »Die Welle« nicht kennt: ursprünglich ein amerikanischer Roman aus dem Jahr 1981. Er beschreibt das Experiment eines Erdkundelehrers von 1967, in einer Highschool in Palo Alto die »Welle« als »Bewegung« analog zur »Bewegung« des Nationalsozialismus’ aufzubauen: Disziplin, Gruppengeist, Embleme und Hymnen – und bald einmal Totalitarismus, gar Antisemitismus. Am Ende muss er die Notbremse ziehen. Mehr zu Plot und Ausgang auf der Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Welle_%28Roman%29, dort auch der Hintergrund.
···Das Stück ist kritisch, ist in doppeltem Sinn historisch. Gerade der ernste Inhalt, die Eskalation mit unbekanntem Ausgang, macht es gut spielbar – wenn man den Mut hat dafür. Es lebt aus sich selbst, ist so spannend, dass die Darstellungsoberfläche nicht entscheidend ist. Dennoch: Kostüme, Auftreten, Auswahl der Figuren, das knappe Bühnebild waren hervorragend bis brillant. Nie wurde die Illusion des Geschehens von Brüchen oder Schnitzern gestört, wie man sie von Schüleraufführungen kennt (sieht man ein einziges Mal von ein bisschen nötiger Soufflage ab, eher erheiternd und lockernd als hinderlich.) Der offene Vorhang (verklemmt?) hat nicht gestört.
···Den historischen Lehrer, Ben Ross, spielt mit Kraft und Empathie als »Bonny Ross« wohl eine Schülerin (Lena Stemkowitz), seine – hier ihre – Frau Christie ist freilich wieder eine Frau – vielleicht hätte die Regie das Paar besser als Geschwister hingestellt als als Ehepartner, so verwirrt das unnötig.

Ein mickriger Schüler, Robert Billings, wird zum beinahe nicht wieder zur Besinnung zu bringenden Göbbels der Bewegung, wunderbar passend vom schlanken Thomas Karetzki gespielt, einem Schauspieltalent. – Hier wieder links im Bild mit in der Mitte Leherer(in) Bonny Ross (Lena Stemkowitz) und rechts Christine Ross (Luise Sarfert).
···Wer das Stück aus anderen Aufführungen kennt, wer vergleichen kann, möge weiter beurteilen. Wir waren heute nur gebannt, gebannt vom Bühnegeschehen, vom Ernst des Geschehens – und haben dazwischen und danach ausgiebig applaudiert. Ein Stück, das den Atmen nimmt, goutiert man nicht wie einen Sommernachtstraum. Zum Nachdenken also.
···Mir erscheint das Experiment bereits historisch, obwohl erst aus den Achtzigerjahren. Und es bezieht sich auf ein noch historischeres Geschehen. Gut und recht und lehrsam. Wenn ich für mich weiterdenke, wenn ich mir die Welt so ab Jahrtausendwende ansehe, dann habe ich hier keine Angst vor einem neuen Totalitarismus. Die gedankenlose Nachlauferei geschieht nicht hinter »Bewegungen« mit Führern (selbst »Occupy!« weiß nicht, was es will). Kuscheln in der Wolke ist angesagt hinter Lobbygruppen, hinter Meinungsmachern, Gutmenschen und politischen Korrektheitsaposteln. Wie damals ist vielen das eigene Denken zu mühsam. Sie lassen sich von Medien und Politik, von Meinungsmachern und selbsternannten Fachleuten in Schattenreiche schnell gefasster Emotionen und Mitmeinungen entführen. Gerechtigkeit wird zum Slogan, Neid zum inneren Öfchen, an die »Realwirtschaft« denkt keine Sau mehr. In Scharen rennen die Leute zu aufgebauschten Gefahren hin und weg, und vergessen darüber ihren normalen Menschenverstand. Professionelle Wortschöpfer umgeben uns mit potemkinschen Dörfern; nur ein Beispiel: Unsere »rigorose Sparpolitik« will »Eckwerte zum Bundeshaushalt beschließen, die einen Abbau der Neuverschuldung auf 31,5 Milliarden Euro im Jahr 2012 und auf 13,3 Milliarden im Jahr 2015 vorsehen.« (Quelle) – Wir halten diesen Staat für sparsam, weil er ausnahmsweise weniger mehr zusätzliche Schulden macht als üblich, ohne je eine Erklärung, wie er uns seine Schulden überhaupt zurückzahlen will. Keine Hausfrau, die sich für ihre Hobbys Monat für Monat mehr Geld leihen muss und immer tiefer in der Kreide steht, hätte die Chuzpe, auf ihrem AAA-Rating zu bestehen.
···Die Gefahr für die Demokratie, ja für unser Wohlergehen, sind heute »Bewegungen«, vielleicht nicht mehr nach Art der »Welle«, doch um so mehr vom korrekten, angepassten, unkritischen (oder schön scheinkritischen) Nachlaufen hinter Gruppeninteressen. Auf einmal sind wieder die Banker die Juden, obwohl wir alle gieren nach Geld und Geiz und lange schon wohlig leben in der Schuldenwirtschaft unseres »Gemeinwesens«. Am Ende waren dann wieder die anderen schuld.

»Die Welle«, Schulaufführung am Beethovengymnasium Bonn, Donnerstag und Freitag, 8. und 9. Dezember 2011. Bonny Ross: Lena Stemkowitz, Christie Ross: Luise Sarfert, Schuldirektorin Owens: Giorgina d’Urso, Robert Billings: Thomas Karetzki, Laurie Saunders: Ronja Keuchel, David Collins: Florian Schmidt, Brad Marlowe: Yunus Özkan, Brian Ammons: Valentin Schröder, Andrea White: Maike Kaßenbrock, Amy Smith: Maria von Kohout, Alex Cooper: Linus Domiter, Andy Block: Janna Stremmel, Janet Baker: Liza Idris, Statisten: Jasmin Genc, Nicole Frencesco, Sophie Schnell. Bühnenbild: Sarah Blascyk, Andreas Schindele, Technik: Falk Glass, Jan-Christoph Pape, Florian Schurz, Andreas Schindele, Wellensymbol: Giorgina d’Urso, Trailer: Rebekka Steinhaus, Musik: Richard Wagner, »Kinder« der Band Panik, Leitung: Sarah Blasczyk, Inge Mosenbach-Kaufmann, Luise Sarfert, Andreas Schindele, Lena Stremkowitz. Roman von Morton Rhue, Theaterbearbeitung von Reinhold Tritt.
···Korrekturen bitte direkt an Fritz@Joern.De. War schnell geschrieben …
Zwei kurze Videos über Zwei kurze Videos über http://www.youtube.com/playlist?list=PL7D2D7D14A9A74017

30. November 2011

Müllabfuhr in der Friedrichstraße, Altpapiersammlung, 30.11.11

Heute, denke ich, mache ich mir einmal wieder die Freude eines Blogs. Man schreibt diese
Pensées ohenhin hauptsächlich für sich selbst, nicht wahr? Und wenn ich schon vom kleinen Fritze auf die große Welt schließe, dann kommen wir doch gleich vom Euro zum Staat:


Eine Euro-Krise ist das nicht, ’s ist eine Staatskrise!
··
Ich weiß noch, wie der Ostblock Pleite ging. Hatte seinen Volks­genossen zu viel versprochen, billige Sättigungs­bei­lagen und jedem Arbeit und ein Auto. Erfolg: Die Restaurants hatten keine Plätze frei, an denen man sich hätte sättigen konnen, die Arbeit war unproduktiv, und das Auto gab’s dann nach zweiundzwanzig Jahren Wartezeit. Wir haben damals hämisch gelächelt, ordentlich Begrüßungsgeld spendiert und das Lob des Kapitalismus’ gesungen. Ehrlich: Ich habe schon damals vermutet, dass es ein paar Jahre später uns erwischt. Nur, dass jetzt niemand mehr weiter im Westen ist, um uns herauszupauken. Amerika liegt selbt im Argen, krank wie wir alle.
···Zur Einstimmung lese man in den Online-NZZ »Eine Wüste unter Wasser, kaum eine Stadt in den USA hat vom Immobilienboom so profitiert wie Las Vegas« – Wenn dann noch einer hierher zurück kommt, mag er mit mir weiter nachdenken.
···Die Länder stellen fest, dass ihnen keiner mehr billig Geld leihen will. Ist das ein Wunder? Wer den Märkten glaub­würdig das staatliche Geschäftsmodell erklären kann, trete vor. Dem wird man auch vertrauen – allerdings wird dieser Staat kein Geld geliehen brauchen. Staaten können doch nicht ungestraft Schulden nur mit immer höheren Schulden zurückzahlen, ohne ein Licht am Ende des Brunnens zu zeigen. Fortwährend langfristige Fehlbeträge mit kurzfristigen Krediten umschulden.
···Unsere Staaten versprechen uns zu viel: Altersversorgung, Krankenversicherung, Vollbeschäftigung, Schulen. Und wir stimmen ab, als ob wir uns Wohlstand, Gerechtigkeit und Ruhe im Land herbeiwählen könnten – statt dergleichen fleißig zu erarbeiten. Lobbygruppen und Staatsbedienstete … usw. – Schimpfen hilft nicht. Nachdenken kann man. Den Mechanismus des Geldes sollte man
sine ira et studio verstehen lernen. Und wenn man daraus dann schon einen moralisierenden Schluss ziehen wird wollen, dann nicht gegen »Abzocker«, »Spekulanten« und all die, die die Maschine zu unserer aller Genuss am Laufen gehalten haben, sondern gegen uns selbst, die wir ihr nicht rechtzeitig Einhalt geboten haben. Staatliches Krisenmanagement an den Symptomen – einer sich abzeichnenden Flucht aus dem Euro – ist wie der Versuch, ein Uhrwerk durch individuelle Steuerung aller Räder einzeln dazu zu bringen, genau die Zeit anzuzeigen, die man sich erträumt.

PS. Bin immer noch stolz auf das Blinkbild oben …
Im Ernst. Weiter geht’s mit der NZZ, »Sicherer Hafen Deutschland, Haarrisse in der Quaimauer«, und »Der Glanz des ›Rettungshebels‹verblasst«
···Und hier meine leienhafte Erklärung dieses »Hebels«. Sichere Anleihen im Bankbesitz – also z. B. staatliche Versprechen, einen Kredit (Geldmenge) wieder zurückzuzahlen – gelten als Kernkapital einer Bank, wie ihr Gebäude oder sonstwas im Besitz der Bank; nicht zu verwechseln mit Kundeneinlagen! Regulatorisch ist der Bank erlaubt, ein Vielfaches seines Kernkapitals zu verleihen, also Geld zu schöpfen. Der Faktor lag bei 50, sinkt mit Basel III (noch nicht verabschiedet) , siehe Wikipedia »Einführung einer Verschuldungsgrenze (Leverage-Ratio)« (Leverage = Hebel), auf 33,3. Für den hier angesetzten Hebel werden Faktoren von 7 bis herunter zu 3,3 genannt (NZZ:
»Die EFSF kann auf Grundlage der Garantien der Euro-Staaten Geld auf dem Kapitalmarkt aufnehmen und damit bis zu 440 Mrd. € für Hilfseinsätze verwenden. Nach Abzug der laufenden Programme für Irland und Portugal und des geplanten zweiten Programms für Griechenland verbleiben rund 250 Mrd. € zum Hebeln. Im Oktober hofften die Euro-Verantwortlichen, mit dieser Summe und einem Hebeln um den Faktor 4 bis 5 rund 1000 Mrd. € bewegen zu können. Beim Eintreffen in Brüssel räumten am Dienstag aber mehrere Minister ein, dass dieses Ziel wegen der ungünstigen Entwicklung an den Märkten wohl nicht ganz erreicht werde. Muss die EFSF beispielsweise in der ersten Option stets 30% einer Anleihe versichern, um für die Anleger attraktiv zu sein, ergibt sich nur ein ›Hebel-Faktor‹ von 3,3.«.) – Für mich ist die ganze Hebelei, diese Geldschöpfung durch die Banken, derer sich die Staaten bestens bedienen (und zusätzlich dafür eigene Banken gründen), die Wurzel des Übels. Jedenfalls, wenn sie über das real mögliche Wirtschaftswachstum um ein Vielfaches hinausgehen. Ländlich-sittlich gesagt: Soviel Frucht kann selbst ein überdüngerter Acker nicht bringen.

24. November 2011

Google-LogoGoogle spricht nur Englisch mit mir ...

... und das ist mir zu dumm geworden.
...Im Web findet man zum Umstellen auf Deutsch tausenderlei gute Ratschläge, bis hin zu Einstellungen in about:config im Browser. Dabei hilft das alles nichts!
Man muss seine Google-Einstellungen, die Bediensprache, die eventuell bevorzugte Sprache der Ergebnisse, kurz seine Google-Präferenzen Google mitteilen, sonst niemandem. Das macht man, indem man zum Beispiel http://www.google.com/preferences aufsucht. Cookies müssen an sein, sonst kann er sich’s danach nicht merken.
·Stichworte: Firefox sucht nur Englisch, Suchmaschine Englisch statt Deutsch bezw. Suchmaschine englisch statt deutsch, deutsch suchen statt englisch.

19. November 2011

Review
AMAZING 3-D COMICS! FREE 3-D GLASSES
EDITED AND DESIGNED BY CRAIG YOE
COVER AND INTRODUCTION BY JOE KUBERT
ISBN: 978-1-60010-853-2
idwpublishing.com
yoebooks.com
$39.99 US, ca. € 30, 196 pages, printed “in six colors on carefully chosen paper. Enjoy”

A wonderful, loving, historic review of the 3 D comic craze of the 1950s. Joe Kubert was there then, maybe invented it all, and he remembers. “Comic historian Ken Quattro … explains what happened after Joe Kubert had seen 3-D photo magazines while stationed in Germany.” “In one long night, Norman Maurer drew the first 3-D comic page, entitled ‘The Three Dimensional Stooges in the Third Dimension,’ to Leonard’s [Norman’s brother] specification. Early the next day, the Maurers waited for the midtown Manhattan Woolworth to open in order to purchase lollipops. ‘We figured we could get red and green cellophane from lollipop wrappers,’ Norman was quoted in The Three Stooges Scrapbook. ‘We bought two packages and made a funny pair of glasses which, believe it or not, worked perfectly.’”
·It all started in 1953 with Mighty Mouse in 3 D. The magazine came out for a quarter and sold over a million copies. The Mighty Mouse 3 D front cover and the starting page are reproduced in the book, you can see it here along with a more detailed review of the content. There are many glorious and funny 3 D examples and stories in the book, even “pseudo” 3D stories – buy it! Still I cant’t resist to quote page 121 here, “Adventures in 3·D”, January 1954, Bad Powell studio, “Il Maestro” racing the mille miglia. Put on your anaglyph 3 D glasses, click on it and note the Porsche on the right.

I’d like to add some technical aspects. First of all, I found it quite interesting how they made those drawings. Kubert: “We drew on multiple layers of acatate to get the variety of planes of depth.” Each layer must have had two colors, one for each eye, mechanically produced from the one original drawing, and then shifted. I think I see some pictures with variabe depths, i. e. not just planes, but things like airplanes, cars (like the one above here) or rockets with a smooth transistion from rear to front.
·If the two colors (the two eye’s images) are shifted far apart, the layer appears far away or nearby, really depending where you focus. Try it with focussing on a finger before your nose in the foreground: When you then blink your eyes, the background jumps sidewise. If you focus on the distance and blink, your finger up front will “move”. In any case layers at different distances have different distances between the red and blue identical drawings. See the cutting from “The 3-D-T’s, A Look Behind the Scenes of America’s Screwiest Industry!” by Joe Kubert and Norman Maurer (Alias Koobert and Moorer), top right.
·In those days red and green was used, perhaps because of the lollipops; today we use red and blue (cyan) for the anaglyph glasses. Which eye is red and which green or blue, wasn’t always the same either, but usually red is left. You still can buy a lot of variations, see for example www.perspektrum.de/3d-brillen.htm#anaglyphen-3d-brille-rot-cyan.
.You can test, if your particular glasses match by laying them flat onto the 3 D drawing: The red filter should take away all red lines, the blue side all blue lines. Typically blue does not work that well, a pity. I assume that the extra two colors in the printing process of the modern book here are to match exactly the glasses’ color. Thank you! The only place where the printed 3 D colors do not match the glasses is on page 24. (On the screen the blue filter schould make the red color real dark, the red filter darkens the blue screen parts; test it on my anaglyph page.) I suspect that the book would be best seen with slightly different viewers than the ones supplied, perhaps red-blue.
·New to me are the “Blinkeys”. “Close your left eye and see Red Dust’s road … then close your right eye and see the Green Sleeve’s Route,” – or a similar suggestion for two stories in one. Works, but isn’t practical. You’d better be a good two-sided blinker.
·Finally, you might like to know that not just black and white pictures lend themselves to anaglyph 3 D, you can even make your own 3 D still pictures in nearly full color, see this. I explained that in some German articles and on my page www.Joern.com/anaglyph.·There I “measued” the blue (cyan) side of todays usual glasses to be R=0, G=150, B=255, while the printed blue seems to be more like R=177, G=246, B=218. This is just what my picture editing program tells me; experts will know better. I still have to find the right lollipos here, never managed to make my own glasses – perhaps with a good color laser printer on foils?

Mighty Mouse 3D comic of 1953.
Today about $ 8o on Ebay

PS. Modern red-cyan glasses for example at http://www.perspektrum.de/3d-brillen/3d-brille-rot-cyan.htm
Arnold und Perry Rhodan

Mit meiner un­er­sätt­li­chen Vor­liebe für Comics habe ich mir jüngst für je 10 Cent zwei alte Perry-Rhodan-Hefte gekauft. Zu­ge­ge­ben: Das sind keine Comics, aber immer­hin Tri­vial­liter­a­tur vom Schlimmsten.
···Und was finde ich am hinteren Umschlag? »A. SCHWARZENEGGER, 23 Jahre alt (unser Bild oben), Filmschauspieler in Hollywood und mit 6 Mr.-Universum- und Mr.-Olympia-Titeln erfolgreichster Starathlet der Welt, erklärt: „Meine sportlichen und beruflichen Erfolge verdanke ich aus­schließ­lich diesen sport­ärzt­lich empfohlenen Nahrungs­kon­zen­tra­ten. Sie geben mir bei regelmäßiger Einnahme über 6 Wochen die zum Muskelwachstum erforderlichen Aufbaustoffe wie Kalorien, Vitamine, Mineralien und PROTEIN. Ich freue mich, daß diese Präparate jetzt auch in Europa frei verkäuflich sind und es somit vielen Menschen möglich sein wird, nun auch mit einem erfolgreichen Körperbau zu beginnen.“«
·Perrry Rhodan – der Erbe des Universums – die größte Science-Fiction-Serie der Welt, Nr. 657, Der Arkturus-Zwischenfall von KURT MAHR – erscheint wöchentlich im Moewig-Verlag, 8 München. Preis DM 1,50 (inkl. 5,5 % MWSt.). März 1974
·PS. Auf meinem anderen Heft, DM 1,80 (Inflation schon damals!), 2. Auflage Perry-Rhodan-Sonderreihe »Atlan« Nr. 115 vom Oktober 1980, wird hinten für »PALL MALL – die Filterfreie.« geworben, 20 Stück DM 3,00.

17. November 2011

Die »Griechenland-Hilfe« geht gar nicht nach Griechenland,
sondern in die Schweiz usw. Allgemeine Empörung. Und weil wir das Thema Schuldenkrise ohnehin – angestachelt durch Politik und Publizistik – hauptsächlich emotional sehen, wieder einmal ein Grund, politisch korrekt auf die Abzocker zu schimpfen.
···Ein schöner Artikel aus der NZZ hat das Thema am 11. 11. 11 mit Zahlen hinterlegt: »Wem hilft die Griechenland-Hilfe? – Nur ein Fünftel bleibt für griechischen Staatshaushalt übrig«. Von den acht Milliarden Euro, die Griechenland vierteljährlich »als Hilfe« frisch (aber nur geliehen!) bekommt, müssen »rund vier Fünftel der Hilfe für Zins- und Tilgungszahlungen verwendet werden, während nur knapp ein Fünftel zur Finanzierung des laufenden Haushalts übrig bleibt. Weit über die Hälfte der Tranche fließt dabei zurück ins Ausland, wobei auch jene 23 Prozent, die griechischen Finanzhäusern zugeschlagen werden, wieder zum großen Teil bei der Europäischen Zentralbank landen, weil Griechenlands Banken das Geld dort für die Refinanzierung verwenden müssen.« – So fast wörtlich.
···Ich meine, moralisierend läuft es darauf hinaus, ob man bei einer Überschuldung die Schuld, die moralische, dem zuschreibt, der sich das Geld geliehen hat oder dem, der es verliehen hat. Der, der Geld verleiht, und dafür auch noch Zinsen haben will, ist vermutlich der reichere. Schon das macht ihn zum Ziel von Neid und Forderungen, seinen Reichtum doch zum Wohle aller endlich wegzugeben. (Als ob er ihn im Kopfkissen aufbewahre.) Nun werden Staaten ja nicht von Überziehungskrediten und Kreditkarten zum gedankenlosen Ausgeben verführt, sind nicht dumme, arme Leute, denen ein reicher Abzocker die Haut über die Ohren zieht, sondern sind voller bester Wirtschaftfachleute und Experten. Wer ist also Schuld? Die Staaten mit ihren für jeden offensichtlich verfehlten Geschäftsmodellen jährlich steigender Schulden, oder die Banken, die ihnen Geld leihen, die Rating-Agenturen, die sie – bloß auf Grund vergangener Rückzahlungen – mit AAA einstufen?
···Die »Schuldfrage« ist Unsinn. Man sollte nüchtern den Mechanismus überbordender Geldmengen sehen, die überall hohen Staatsanteile am Bruttosozialprodukt, diese De-facto-Planwirtschaft, die uns staatliche Konferenzzentren (WCCB in Bonn) beschert und dagegen Schwimmbäder schließen lässt, usw. Polemisieren sich sich’s selbst weiter.
·Geldmechanisch ist das doch so, dass Staatsanleihen immer wieder umgeschuldet werden müssen (und weitere dazukommen). Langfristige Verbindlichkeiten – ewige, wenn unsere Politiker das Sagen hätten (haben sie leider) – werden in kürzeren Perioden immer wieder umgeschichtet. Das wäre so, als liehe sich wer das Geld für sein Haus nicht auf zwanzig oder dreißig Jahre, sondern immer nur auf eines. Nach einem Jahr würde er die »alte« Schuld zurückzahlen und dafür wieder eine »neue« aufnehmen, für wieder ein Jahr. Natürlich ginge dann das »neue« Geld in die Hände des »alten« Schuldners. Reine Mechanik schlechter Schuldenpolitik, riskant dazu, weil der Zinssatz steigen kann (tut er jetzt!). Hat nichts mit der bösen Schweiz zu tun, oder bösen deutschen Landesbanken, die griechische Papiere gekauft haben. Oder?

15. Oktober 2011

»Leserbrief«
Den »Euro-Rettungsschirm« gibt es nicht in Wirklichkeit. Mit viel, viel Geld, das dem in­sol­ven­ten Schuld­ner Grie­chen­land nach­ge­wor­fen wird, rettet man weder den Euro noch Grie­chen­land. Schon der Name »Schirm« ist eine Er­fin­dung von Politik und Medien. Schützt man denn einen Über­schul­de­ten, indem man ihm noch mehr Schul­den auf­bürdet? Selbst die Gefahr für den Euro wird bloß herbeigeredet. (Karikatur)
__ Grob gerechnet hat die Euro-Zone insgesamt ein Bruttoinlandsprodukt von 9 Billionen Euro (2007, Wikipedia), das sind 9000 Milliarden, davon Griechenland 22o Milliarden (Wikipedia), also nicht einmal 2,5 Prozent. Bei den Schulden sieht es ähnlich aus: Die Euro-Zone soll mit über 7 Billionen Euro in der Kreide stehen, Griechenland hat angeblich 300 Milliarden Schulden, 4 Prozent davon. Daraus ist höchstens die besondere Schieflage Griechenlands zu erkennen. Doch ob nun 2, 3, oder 4 Prozent – eine Gefahr für den Euro insgesamt lässt sich nur mit Gerede über »unabsehbare Folgen« orakeln, nicht begründen.
__ Irgendetwas müssen sich doch 1992 die Gründer mit der No-bailout-Klausel gedacht haben, die jeden EU-Staat für seine eigenen Schulden haften lässt, siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Nichtbeistands-Klausel? »Die Nichtbeistands-Klausel (auch No-Bailout-Klausel) bezeichnet eine fundamentale Regelung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU), die in Art. 125 AEU-Vertrag festgelegt ist. Sie schließt die Haftung der Europäischen Union sowie aller Mitgliedstaaten für Verbindlichkeiten anderer Mitgliedstaaten aus.« Solidargemeinschaften zu beschränken, sichert neben einer verstärkten Eigenverantwortung den Schutz des Ganzen.
__ Wer sich an der großen Zehe stößt und schreit: »Ich sterbe!«, ist entweder ein Journalist, Wirtschaftsfachmann oder Politiker*).
__ Lassen wir Griechenland »im Stich«, so dient das Griechenland und dem Euro mehr, als ein »Schirm«, der Griechenland mit noch mehr Schulden überschüttet. Nur »Nichtbeistand« wäre sinnvoll und vertragskonform. Doch Politiker aller Länder haben sich daran gewöhnt, feste Vereinbarungen zu brechen. So sind in der Währungsunion ein bis zu drei Prozent jährlich steigendes Defizit erlaubt (warum eigentlich?) und als Gesamtschulden sechzig Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Wie es wirklich aussieht, zeigt ein eindrucksvolles Diagramm.
__ So. Was würde passieren, ließe man Griechenland seinen Weg gehen? Diejenigen, die die besonders rentierlichen griechischen Anleihen finanziert haben, hätten das Nachsehen. Sie müssten sich mit Griechenland über einen Schuldenschnitt einigen. Nur wenn man Griechenland Geld »schenkt«, kann man in der überschuldeten Situation helfen. Mit dem Euro hat das nichts zu tun.

Weiter. Was könnten die Griechen tun, um wieder an frisches Geld zu kommen? Eine »Abwertung« des griechischen Euro geht nicht, also müssten sie dafür zumindest temporär die Euro-Zone verlassen und eine eigene Währung einführen, den Phoenix vielleicht? Ihre Sache. Ihnen das vorzuschlagen ist nicht »gegen« Griechenland, schon gar nicht anti-europäisch. (Im Bild eine belgische Zehn-Euro-Münze aus dem Jahr 2004. Von 1828 bis 1832 war der Phoenix griechische Währung, schreibt Wikipedia.)

Die Staaten brauchen sich nur an die eigenen Regeln zu halten. Sie müssen sparen, sofort, und nicht immer erst in der kommenden Legislaturperiode. Und Solidargemeinschaften müssen entkoppelt bleiben.

*) »Mischuld an der Finanzkrise?« NZZ schreibt über Wirtschaftsjournalismus.
PS. Deutschland haftet bereits mit 465 Milliarden Euro, Quelle.
Hans-Werner Sinn: Warum man Schulden nicht vergemeinschaften darf.
__ Die NZZ schreibt in einem Leitartikel »Die Kosten von Staatspleiten« (nat. 15., int. 17. 10. 11), Cesifo in München habe 180 Staatspleiten der letzten 40 Jahre untersucht, durchschnittlicher Schuldenschnitt 38%. Nach wenigen Jahren normalisierten sich die Zinskosten für diese Staaten wieder, doch je höher der Schuldenschnitt, desto höher die späteren Zusatzkosten.

10. Oktober 2011

Die Bäuerin und der Fischer
Ein Geldmärchen von Fritz Jörn

War einmal ein Fischer. Wenn er ein paar Fische gefangen hatte ging er zu einem Bauern gleich in der Nähe. Die Bäuerin hatte Brot gebacken. Da verkaufte er ihr Fische gegen Brot. Beide hatten gut zu essen.
__ Das ging so eine Zeit lang, bis die Bäuerin meinte, Brote hielten lange frisch und Fische nicht. Wie wäre es, wenn die beiden nicht immer nur tauschten? Sie vereinbarten – um die Entwicklung abzukürzen – kleine Zettelchen, auf denen stand »ein Fisch« oder »ein Brot«. Wenn der Fischer nicht gerade einen frischen Fang hatte oder die Bäuerin warme Brote aus dem Backofen (den sie nur einmal im Monat anschürte), so gaben sie sich die Zettel.
__ Die beiden kannten sich nun schon länger. Jeder vertraute dem anderen. Vor allem kannten sie sich selbst und schrieben nicht mehr Zettel, als sie sich sicher waren, später dafür auch Ware liefern zu können.
__ Das System fand Anklang, aus Zetteln für Fisch oder Brot oder Speck und Wein wurden allgemeingültige Währungen.

__ Der Dorfälteste
Um sicherzustellen, dass nicht irgendwelche Scharlatane vielversprechende Gutscheine ausgaben und keine einlösten, übernahm das der Dorfälteste. Er wachte hinfort über das Geld, über seine Menge und Verwendung. Leider kassierte er bei jedem Kauf ein Fünftel obendrauf für allerlei Dienste und nannte das »Mehrwert«.
__
__ Geld aus dem Nichts
Natürlich war das Geld aus dem Nichts geboren – waren es doch so oder so nur Zettelchen. Solange aber alle daran glaubten, sich sicher waren, später einmal Fische oder Brot oder sonst etwas Nützliches dafür zu bekommen, waren sie’s zufrieden im Dorf.

__ Prosperität
Hatte jemand etwas mehr Geld, als er gerade brauchte, so gab er es entweder seinem Verwandten für dessen neue Brotfabrik oder für die Fischzucht, oder er brachte es auf die Bank – womit das Schlamassel anfing. Das war sehr bequem. Die Bank gab ihm dafür einen Kontoauszug. Das Geld lieh sie einem anderen.

__ Noch mehr fiat money
Warum aber sollte die Bank nicht Geld verleihen, das sie nicht hatte? So viele brauchten Geld – die Winzer für neue Reben und die Speckfabrik für Schweine. Sicherheiten und guter Zins waren gegeben. Vor allem brauchte der Dorfälteste Geld, versprach ebenfalls ein AAA-Rating, obwohl sein Geschäftsmodell reichlich im Dunkeln lag – wie sollte er jemals das Kapital zurückzahlen und die Zinsen dazu? Doch dem Dorfältesten schlägt man nichts ab.

__ Die Bankaufsicht
Also gab die Bank mehr Kredite, als sie Spareinlagen hatte. Immer, wenn sie jemandem Verlässlichen Geld geliehen hatte, so »galt das nicht«, war in Bezug auf das Kernkapital ein Nullsummenspiel. Die Bank besaß ja nun statt Eigenkapital und Einlagen die »Sicherheiten« und bekam Zinsen obendrein. Also wurde weiter aus dem Nichts Geld verliehen, bis die Bankaufsicht kam.
__ »Ihr dürft höchstens das Zwanzigfache eures irgendwie ermittelten eigenen Kapitals verleihen, schöpfen, sonst wird die Sache instabil«, sprachen sie zu übermütigen Bankern. Die hatten ohnehin nichts zu verlieren: Wenn das Geld nicht zurückkam, wurde es im schlimmsten Fall einfach »abgeschrieben«.
__ Man kann sich vorstellen, wie die Wirtschaft mit all dem Geld florierte.

__ Rating-Agenturen
Die Bank­aufsicht prüfte ihre Banken nach »Basel« genannten Regeln, und dort bestimmen »Rating-Agenturen« die Bonität der Kredite im Banken­besitz. Kein Banker brauchte sich mehr persönlich um die Kredit­würdig­keit eines Schuldners zu kümmern. Er erschoss sich auch nicht mehr, wenn er sich ver­spe­ku­liert hatte und Spar­ein­la­gen nicht zurück­zahlen konnte.
__ Wurde ein Kredit allerdings während der Lauf­zeit »herunter­ge­stuft« – was gerade bei AAA nicht hätte passieren können – so höhlte das den Kern der Bank aus, wenn dieser aus der­artigen Papie­ren bestand. Plötzlich waren eine Menge anderer Kre­di­te nicht mehr »abgesichert« – aber, so sagte die Bäuerin, das waren sie schon vorher nicht wirklich gewesen. Und der Fischer sagte: »Macht nichts. Alles fließt.«

__ Science Fiction
Dann landete in Brüssel ein Raumschiff. Es ließ sich alle schlechten Kredite schicken und tauschte sie ein gegen vom Universum gedeckte – die bald gar keine Zinsen kosteten. Wunderbar. Und wenn sie nicht »ausgebucht« wurden, so stehen sie noch immer in den Büchern.
__ Oder wenigstens in dieser Geschichte.

Bilder: Johann Caspar Herterich, Fischer und Bäuerin in Tracht mit Kindern am Chiemseeufer und Hinterglasmalerein der österreichischen Hunterglaswerkstötten_Ges.m.b.H.

28. September 2011

Schweinshaxen und Schwule –
Scharia und Katechismus


Ja, wie passt jetzt das zusammen? Eben nicht. Ich musste daran denken nach den Demonstrationen gegen den Papst. Ob einer jetzt keine Schwulen mag oder keine Schweinshaxen, die Frage ist, wie und ob er das anderen aufzwingt.
XX Religionen waren nie nur Glauben, sie waren immer auch Ver­hal­tens­vor­schrif­ten. Die leiteten sie aus ihrem Glauben ab, aus ihrer Tradition – wie auch immer, nur »demokratisch« im Sinn, dass sich die Gläubigen ihre Mo­ral­vor­schrif­ten aussuchen konnten, mehrheitlich oder sonstwie, das gibt eine Religion nicht her. Man kann sich daran halten oder nicht, man kann diese oder alle Religionen ablehnen, für sich oder grundsätzlich, aber von einer bestimmten Religion zu verlangen, dass sie sich einem anpasst, das geht weniger. Höchstens lässt sich von innen heraus die Begründung einer Regel anzweifeln, wiederum für sich oder für alle. Beispiel: Ist das Zölibat nur Gewohnheit, Überlieferung, oder hat es gute (biblische) Gründe?
XX Doch ich will nicht zum zweihundertsten Mal auf einzelne Regeln eingehen, vom Schweinefleischverbot bei den Muslimen bis zum Sonntagsgebot bei den Katholiken. Für eine weltliche Gesellschaft ist entscheidend, ob die jeweilige Religionsgemeinschaft ihre kirchlichen Vorschriften den staatlichen überstülpen will.

Im Gegensatz zu anderen großen Religionen hat das Christentum dem Staat und der Gesellschaft nie ein Offenbarungsrecht, nie eine Rechtsordnung aus Offenbarung vorgegeben. Es hat stattdessen auf Natur und Vernunft als die wahren Rechtsquellen verwiesen – auf den Zusammenklang von objektiver und subjektiver Vernunft, der freilich das Gegründetsein beider Sphären in der schöpferischen Vernunft Gottes voraussetzt. – Ein Zitat aus der Papstrede vor dem Bundetag.

Die Freiheit eines Christenmenschen, die hier inzwischen jedermann empfindet (nicht nur Luther) , sollte uns bei allen möglichen Meinungsverschiedenheiten nicht gegen die katholische Kirche aufbringen, sondern höchstens gegen einen Islam, der vielerorts seine Scharia einführen möchte.

Brüchiger Religionsfriede im größten muslimischen Land der Welt, NZZ-Artikel.

Was passiert, wenn Kirche und Staat nicht getrennt sind, zeigt sich in Ägypten. NZZ-Artikel »Aufstand der ägyptischen Christen. Kopten fordern von ihrer Kirche Scheidungsrecht oder gar ein ziviles Personenstandsrecht

Drei schöne, kurze Gespräche im Deutschlandfunk über frühe Frömmigkeit darf ich hier zum Nachhören empfehlen:
Über diese Seite (Beitrag Nr. 23) zu
»Die Narren Gottes« - Teil-1, Sendezeit: 27.09.2011 09:45, Autor: Zander, Hans Conrad, Programm: Deutschlandfunk, Sendung: Tag für Tag, Länge: 07:50 Minuten
und über diese (Beiträge 17, 20) zu
»Die Narren Gottes« - Teil-2, Sendezeit: 28.09.2011 09:42, Autor: Zander, Hans Conrad, Programm: Deutschlandfunk, Sendung: Tag für Tag, Länge: 10:50 Minuten
und
»Die Narren Gottes« - Teil-3, Sendezeit: 29.09.2011 09:45, Autor: Zander, Hans Conrad, Programm: Deutschlandfunk, Sendung: Tag für Tag, Länge: 07:05 Minuten

25. September 2011

YOUCAT – Jugendkatechismus der katholischen Kirche
AD 2010

»Die Österreichische Bi­schofs­kon­fe­renz er­teil­te dem Werk am 3. März 2010 das Nihil obstat.« – Und ich hab’ diese Imprimatur gar nicht mit­be­kommen! Dass es über­haupt noch einen Ka­te­chis­mus gibt in der Kir­che, Re­geln, das wird lieber ver­schwiegen in diesem gött­li­chen Frei­zeit­park der Lie­be, wo Gott sich vor­stellt mit: »Hi, ich bin hier im Jammer­tal, einem Unesco-Welt­kul­tur­erbe, Gott, euer Ani­ma­teur für die Zeit bis zur Ab­reise. Ihr dürft Vati zu mir sagen!«
XX Nein, ganz so locker geht’s im neuen Youcat, 13 Euro, nicht zu. »Der Jugendkatechismus behandelt in jugendgemäßer Sprache das Ganze des katholischen Glaubens, wie er im ›Katechismus der Katholischen Kirche‹ (KKK von 1997) vorgelegt wurde, ohne die dort gegebene Vollständigkeit anzustreben«, heißt es in der Gebrauchsanleitung. Gute, schlichte Sprache macht den Inhalt noch lange nicht schlicht und einfach.
XX »Darf die Eucharistie auch an nichtkatholische Christen gespendet werden?« – so fragt zum Beispiel Kapitel 222 auf Seite 132. Antwort: »Die heilige Kommunion ist Ausdruck der Einheit des Leibes Christi. … Es wäre ein Widerspruch, würde die Kirche Menschen, die den Glauben und das Leben der Kirche (noch) nicht teilen, zur Kommunion einladen. Die Glaubwürdigkeit des Zeichens der Eucharistie würde Schaden leiden. [1398–1401 (im KKK)
XX Für mich sind das unverständliche Defensivbehauptungen. Mit dem »Leib Christi« ist hier wohl nicht Christus sondern die Kirche gemeint, und nur, wer zu dieser Einheit gehört, darf mitessen. Niemand prüft die Ausweise. Die wenigsten der Gläubigen, die zum Altar gehen, haben höchstens lässliche Sünden oder sind die empfohlene Stunde lang davor nüchtern geblieben (Kapitel 220). Eine »Glaubwürdigkeit des Zeichens« soll wichtiger sein als der Leib Christi für Andersgläubige? Wieso litte da ein Zeichen, wo sollte wohl der Lack abgehen? Kleingläubige Überheblichkeit ist das, aber immerhin: Der Youcat spricht es an.
xx Ich will mich schnell im Original schlau machen – dank Internetlink ein Katzensprung – und finde etwa (hier als Zitate einkopiert):
• „Nehmet und esset alle davon“: die Kommunion (als unfreiwillig ironische Überschrift)
• 1388 Es entspricht dem Sinn der Eucharistie, daß die Gläubigen, falls sie die Voraussetzungen erfüllen, jedesmal kommunizieren, wenn sie an der Messe teilnehmen.
• 1400 Die aus der Reformation hervorgegangenen, von der katholischen Kirche getrennten kirchlichen Gemeinschaften haben „vor allem wegen des Fehlens des Weihesakramentes die ursprüngliche und vollständige Wirklichkeit des eucharistischen Mysteriums nicht bewahrt" (UR 22). Aus diesem Grund ist für die katholische Kirche die eucharistische Interkommunion mit diesen Gemeinschaften nicht möglich. (Doch kein Wort darüber, warum die nicht einseitig bei uns mitessen dürfen.)
1401 Wenn nach dem Urteil des Diözesanbischofs eine schwere Notlage dazu drängt, spenden katholische Priester die Sakramente der Buße, der Eucharistie und der Krankensalbung erlaubt auch den übrigen nicht in der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehenden Christen, die von sich aus darum bitten, sofern sie bezüglich dieser Sakramente den katholischen Glauben bekunden und in rechter Weise disponiert sind [Vgl. [link] CIC, can. 844, § 4].

Man sieht, die Sache ist verkorkst. Da hilft kein Youcat dagegen.
XX Hintertürchen und windelweiche Aussagen auch anderswo. Wobei man immer bedenken muss, dass wir uns hier auf Erden überlegen, was wohl der unendliche Gott am Jüngsten Tag in welche Waagschale wird werfen wollen. Ob er da immer auf das Urteil eines Diözesanbischofs wartet?
XX Ich suche gleich einmal ordentlich nach Sex – und feue mich, dass nicht wie sonst von Geschlechtsverkehr die Rede ist, was mich sprachlich immer an Nahverkehr erinnert: Sex vor der Ehe, 407. Nach ein paar mitfühlenden Worten über »kein größeres Geschenk als sich selbst« und einer Randbemerkung Johannes Pauls des II.: »Seinen Körper einem anderen Menschen schenken symbolisiert das volle Sichschenken an diesen Menschen«, kommt’s dann: »Weil die Liebe so groß, so heilig und so einmalig ist, bittet die Kirche die jungen Menschen eindringlich, mit der Aufnahme voller geschlechtlicher Beziehungen so lange zu warten, bis sie verheiratet sind.« – Bittet eindringlich? Gehen wir den Hinweisen auf KKK 2350 und 2391 nach:
2350 Die Brautleute sind aufgefordert, die Keuschheit in Enthaltsamkeit zu leben. Sie sollen diese Bewährungszeit als eine Zeit ansehen, in der sie lernen, einander zu achten und treu zu sein in der Hoffnung, daß sie von Gott einander geschenkt werden. Sie sollen Liebesbezeugungen, die der ehelichen Liebe vorbehalten sind, der Zeit nach der Heirat vorbehalten. Sie sollen einander helfen, in der Keuschheit zu wachsen.
2391 Manche, die zu heiraten beabsichtigen, beanspruchen heute eine Art Versuchsrecht. Wenn auch der Wille zur Heirat fest ist, besteht doch die Tatsache, daß verfrühte geschlechtliche Beziehungenkeineswegs die Aufrichtigkeit und die Treue der zwischenmenschlichen Beziehungen von Mann und Frau zu gewährleisten noch sie vor allem gegen Laune und Begierlichkeit zu schützen vermögen“ (CDF, Erkl. „Persona humana“ 7). Die leibliche Vereinigung ist nur dann moralisch zu rechtfertigen, wenn zwischen dem Mann und der Frau eine endgültige Lebensgemeinschaft gegründet worden ist. Die menschliche Liebe läßt den bloßenVersuch“ nicht zu. Sie verlangt eine endgültige und ganze gegenseitige Hingabe der beiden Partner [Vgl. FC 80].

Da bleiben wir wirklich lieber bei der »eindringlichen Bitte« der Kirche und … ––––––––––––––––––––– · –––––––––––––––––––––
Youcat-Erstauflage 700 000 Exemplare
Ausführliche Youcat-Kritik beispielsweise hier

21. September 2011

Papstrede im Parlament –

– unerwünscht von denen, die von der politischen Korrektness schon zur politischen Intoleranz fortgeschritten sind.

Rund hundert Abgeordnete von SPD, Grünen und Linkspartei hatten angekündigt, der Rede des Papstes im Bundestag am 22. September fernbleiben zu wollen. – Quelle Tagesschau

Mehr als zwei Drittel der Deutschen, die sich gegen den katholischen Glauben entschieden hätten, würden »stigmatisiert«.
Der Papst sei der »letzte absolute Monarch« in Europa und trage mit seinen Auffassungen, etwa zu Frauenrechten und Empfängnisverhütung, die Mitschuld »an der bisher global nicht gestoppten Aids-Epidemie sowie an der Unterdrückung, Ausbeutung und Stigmatisierung von Millionen Menschen«.Quelle RP-online

Eine Religion, die ein bestimmtes Verhalten fordert, unterdrückt freilich die Freiheit mit moralischen Mitteln – vom Kopftuch bis zum kondomlosen Verkehr. Darüber kann man im Einzelnen streiten.
xx Diese Suppe haben wir uns selbst eingebrockt: Wenn – vor allen von den Kirchen – immer bloß propagiert wird, Jesus sei lieb und nett, und der verlangt außer Liebe nichts von uns, warum sollten wir uns »verbiegen«?
xx Die politische Korrektheit geht inzwischen so weit, dass ein deutscher Landeshäuptling zu seinen sexuellen Neigungen sagen kann: »… und das ist gut so!« – wo uns das doch gar nichts angeht. Sagte aber wer, er möge Schwule nicht, würde er ausgebuht oder boykottiert. Und nicht jeder hält Aids für eine rein gesellschaftliche Herausforderung, zu der man rote Maschen trägt und Benefizkonzerte sponsert, sondern für eine Seuche, an der einer fast immer selbst Schuld ist. Darf man’s wagen »Lustseuche« zu sagen? Oder ist das tabu? Meinungen mag es da viele geben – sie zu sagen, darüber zu reden ist in unserer wenig belastbaren Konsensgesellschaft verpönt.
xx Schließlich: Die Befürworter einer strikten Trennung Staat-Kirche mögen doch bitte alle kirchlichen Staatsfeiertage abschaffen, dann werden wir schon sehen, wie »Bundestagsabgeordnete der SPD« darauf reagieren. (Wir haben einfach viel zu viele Abgeordnete, ne!)
xx Musste ja mal gesagt werden.

Ein saftiger Kommentar der katholischen »Tagespost« hier.
Zeitlos humorig: Vatikanische Übersetzungsfehler
Da gehts unter anderem um den neuen Youcat-Katechismus
Hier der off. kath. Katechismus, z. B. Keuschheit als Tugend unter dem Einfluss der »Kardinaltugend der Mäßigung«. – Aber viell. weiß eh keiner mehr, was Tugend heißt.

Da fällt mir ein. Ein Mailfreund hat mir mal »Lust« auf Katholisch zusammengestellt, mal sehen, ob ich das hier hereinkopiert kriege. Jedenfalls vielen Dank ihm! Also ich hatte ihm zum Thema Lust und Freude, kirchlich, geschrieben: »… Das Christentum ist eigentlich eine fröhliche Religion. Die Erlösung hat stattgefunden, ›Christus ist wahrhaft auferstanden‹. Freuen wir uns darüber!« Darauf er: »Hierzu kann ich nur Ja und Amen sagen. Ich habe bei kurzer Recherche unter www.stjosef.at > Kirchliche Dokumente aus dem Katechismus der Katholischen Kirche folgende Worte zum Stichwort ›Lust‹ gefunden:

Kontext ''Welcher Ruhm, welche Lust wird es sein, wenn du zugelassen wirst, um Gott zu schauen, wenn du der Ehre gewürdigt wirst, mit Christus, deinem Herrn und Gott, die Freude des ewigen Heils und Lichts zu genießen ...‚ mit den Gerechten und Freunden Gottes im Himmelreich dich der Wonne der verliehenen Unsterblichkeit zu freuen!'' (Cyprian, ep. 58, 10,1).
Kontext 2351 Unkeuschheit ist ein ungeregelter Genuß der geschlechtlichen Lust oder ein ungeordnetes Verlangen nach ihr. Die GeschlechtsLust ist dann ungeordnet, wenn sie um ihrer selbst willen angestrebt und dabei von ihrer inneren Hinordnung auf Weitergabe des Lebens und auf liebende Vereinigung losgelöst wird.
Kontext 2352 Masturbation ist die absichtliche Erregung der Geschlechtsorgane, mit dem Ziel, geschlechtliche Lust hervorzurufen. ''Tatsache ist, daß sowohl das kirchliche Lehramt in seiner langen und stets gleichbleibenden Überlieferung als auch das sittliche Empfinden der Gläubigen niemals gezögert haben, die Masturbation als eine in sich schwere ordnungswidrige Handlung zu brandmarken'', weil ''der frei gewollte Gebrauch der Geschlechtskraft, aus welchem Motiv er auch immer geschieht, außerhalb der normalen ehelichen Beziehungen seiner Zielsetzung wesentlich widerspricht''. Der um ihrer selbst willen gesuchten geschlechtlichen Lust fehlt ''die von der sittlichen Ordnung geforderte geschlechtliche Beziehung, jene nämlich, die den vollen Sinn gegenseitiger Hingabe als auch den einer wirklich humanen Zeugung in wirklicher Liebe realisiert'' (CDF, Erkl. ''Persona humana'' 9).
Kontext ''Als Tobias und Sara in der Kammer allein waren, erhob sich Tobias vom Lager und sagte: Steh auf, Schwester, wir wollen beten, damit der Herr Erbarmen mit uns hat. Und er begann zu beten: Sei gepriesen, Gott unserer Väter ... Du hast Adam erschaffen und hast ihm Eva zur Frau gegeben, damit sie ihm hilft und ihn ergänzt. Von ihnen stammen alle Menschen ab. Du sagtest: Es ist nicht gut, daß der Mensch allein ist; wir wollen für ihn einen Menschen machen, der ihm hilft und zu ihm paßt. Darum, Herr, nehme ich diese meine Schwester nicht aus reinerLust zur Frau, sondern aus wahrer Liebe. Hab Erbarmen mit mir, und laß mich gemeinsam mit ihr ein hohes Alter erreichen! Und Sara sagte zusammen mit ihm: Amen. Und beide schliefen die Nacht über miteinander'' (Tob 8,4-9).
Kontext Lust:
Kontext ''Der Schöpfer selbst ... hat es so eingerichtet, daß die Gatten bei dieser [Zeugungs]funktion Lust und Befriedigung des Leibes und des Geistes erleben. Somit begehen die Gatten nichts Böses, wenn sie diese Lust anstreben und sie genießen. Sie nehmen das an, was der Schöpfer ihnen zugedacht hat. Doch sollen die Gatten sich innerhalb der Grenzen einer angebrachten Mäßigung zu halten wissen'' (Pius XII., Ansprache vom 29. Oktober 1951).
(http://overkott.dyndns.org/kkk-suche.htm)
xx Das kommentiert mein Gesprächspartner – kein Katholik übrigens – dann weiter so: »Ich sehe neben den vielen theologischen Schätzen des römischen Teils der Kirche die tiefe und fundierte Ethik als ein wunderbares ›Pfund‹ an, mit dem sie auch tatsächlich wuchert. Aus meiner Sicht ist meistens nur in den Augen allzu ›Liberaler‹ die Ethik der Römisch-Katholischen Kirche zu ›konservativ, restriktiv, traditionell‹. Es stehen dagegen m.E. tiefe und sinnvolle Gedanken dahinter, die zumeist sowohl theologisch, als auch psycho- und soziologisch unterfüttert sind - mir ist das sehr sympathisch, denn man merkt die hohe Bildung der Autoren und Artikel.«
xx Sollte sich noch jemand für einen Katechismus interessieren, empfiehlt er den »Inbegriff der christlichen Lehre. Ein biblisch-apostolisches Glaubensbuch« von Heinrich Wilhelm Josias Thiersch.

PS. Die Papstrede samt Fußnoten hier, die ARD-Übertragung hier. Eine gut druck- und lesbare Kopie auf drei Seiten gerne von mir, Fritz@Joern.De. Zum in seiner Rede angesprochenen Positivismus in der Wikipedia: »Die [Rechts-]Setzungen erwiesen sich in der Rechtsdiskussion des 20. Jahrhunderts als problematisch, als nach dem Zweiten Weltkrieg Richter sich für Rechtssprüche aus der Zeit des Nationalsozialismus verantworten mussten.« – Ausführlicher unter »Rechtspositivismus«, Dualismus von Recht und Moral.
xx Entscheiden unsere Abgeordneten nach ihrem eigenen Gewissen? Wohl nicht. Entscheiden sie demokratisch nach der Meinung der vermeintlichen Mehrheit? Wohl nicht, zumal die Bild-Zeitung die Mehrheit darstellen will und das auch tut. Entscheiden Sie für ihr eigenes Fortkommen? Sie versuchen das. Man bedenke die Entscheidungen über Atomlaufzeitenverlängerung und -ausstieg, um die »Rettung« des Euro.

15. September 2011

XX Absätze mit Einzug statt Durchschuss im Blog

Typographisch trennt man Absätze entweder durch eine Leerzeile, dann »Durchschuss« genannt, oder schöner durch »Einzug«: Das erste Wort des Absatzes beginnt etwas weiter rechts in der Zeile. Wie in einem guten Buch.
XX In Blogger ist mir das nie gelungen. Man kann angeblich mit einer eigenen <div> arbeiten, wobei man dann einmalig in der Blogger-Vorlage zum Beispiel .p2 p { text-indent: 25px; } einfügen muss und dann im Blog-Text selbst um den Text mit den einzuziehenden Absätzen herum <div class=p2>, dann all den Text mit all den Absätzen, hernach abschließen mit </div>. Bei mir hat das nicht geklappt.
XX Eine andere Möglichkeit wäre, im HTML-Kode des Blogs (»Html bearbeiten«) zu Absatzbeginn zum Beispiel drei &nbsp; einzufügen. Das geht und funktioniert, bis man ein erstes Mal wieder normal »verfasst« – dann frisst mein Blogger-Editor unweigerlich und schwuppdiwupp all die schönen &nbsps weg. Ich nenne den Kode übrigens and need blank space, heißen tut diese erzwungene Leerstelle richtig no break space.
XX Noch bequemer wären erzwungene Sonderleerstellen als Einzelbuchstaben, Kode 00A0, was ich mir unter AltGrLeertaste gelegt habe und fleißig überall verwende, sogar in Word (wo man sich den Kode jedes Zeichens mit AltC zeigen lassen kann. Rückkonvertieren geht auch). Pech: Selbst die 00A0-Zeichen frisst der Blogger-Editor weg, wandelt sie in normale Leerstellen um, und die zieht HTML bekanntlich zu höchstens einer zusammen. Also wieder nichts.
XX Alle diese Verfahren gehen nicht.
XX Was mache ich also in meiner Verzweiflung? Wenn nichts mehr geht: Tippex! Ich setze zu Absatzanfang XXleer, und dann markiere ich diese XXleer und wähle für sie als Textfarbe weiß. – Und suche weiter nach einer Möglichkeit, das ordentlich zu machen. Die Leerstelle nach den XX – es können auch mehr Xe oder andere Zeichen sein – ist da, damit sich spätere Wortsuchen nicht mit Wörtern mit XX herumschlagen müssen. Sei nett zu deinem Google.
XX Hier und in der kurzen Erbauungsgeschichte meines Großvates hab’ ich’s mal probiert. Wenn man sich diese unsichtbaren Xe samt Leerstelle in die Zwischenablage kopiert, so klappt das Einfügen vor jedem Absatz einigermaßen rasch. – Auf geht’s also zu einem schöneren Schriftsatz im Blog vom Blogger!

Noch ein paar Gedanken zum »Rüberheben« von Texten in den Blog hinein. Generell nie direkt aus Word copy-pasten! Denn da kommt HTML-Gesülze mit, dass es einer Blogsau graust, sowas gibt’s gar nicht. Erst als reinen Text auskopieren, und den dann übertragen. Notfalls im Blog über »Html bearbeiten« bereinigen.
XX Speziell wieder zurück zu den Absatzeinzügen: Was gut gehen müsste, wäre, diese Abstandhalter zu Absatzbeginn <span style="color: rgb(255, 255, 255);">XX </span> vorher einzueditieren. Man beachte die Leerstelle nach den XX. Sagen wir, Ihre Absätze sind durch zwei aufeinanderfolgende Absatzmarken gekennzeichnet (sonst müssen Sie die Suche modifizieren). Dann suchen-ersetzen Sie die durch eine Absatzmarke und <span style="color: rgb(255, 255, 255);">XX </span> und kopieren das Resultat in Ihren Blog ein, aber nur im Html-bearbeiten-Modus. In Word machen Sie Absatzmarken (¶) und dergleichen sichtbar mit »¶ einblenden/ausblenden«, Sie suchen danach, indem Sie die Suche »erweitern« und dann auf »Sonstiges« gehen. Die »Absatzmarke« ist gleich die erste Wahl, ^p; nicht den »¶ Absatzbuchstaben« nehmen.
XX Noch was: Deutsche Wörter können lang sein, Browser nicht Silbentrennen. Wenn Sie sich die Mühe machen und in Wörtern wie Donaudampfschifffahrtskapitänsmützenkordel im HTML-Kode an möglichen Trenn­stellen &­shy; (soft hyphen) einfügen, à la Do&shy;­nau&shy;­dampf&shy;­schiff&shy;­fahrts&shy;­ka&shy;­pi&shy;­täns&shy;­mützen&shy;­kor&shy;­del, dann trennt sich auch die allerlängste Do­­nau­­dampf­­schiff­­fahrts­­ka­­pi­­täns­­mützen­­kor­del­fa­bri­kan­ten­tochter.