16. April 2018

Fake News

An Fake News – Falschnachrichten – ist meistens falsch, dass es gar keine Nachrichten sind. Da geht es gar nicht um einen sachlichen Inhalt einer Nachricht, der mehr oder weniger stimmen kann, sondern um die Tatsache, dass die Nachricht eine Meinung ist und kein Geschehen.
   Hört man sich im Radio Nachrichten an, so sind »Nachrichten« oft – ich schätze nur in einem Drittel der Fälle – »Nachrichten«: Sachen, die tatsächlich oder angeblich passiert sind. Der Rest sind aneinandergereihte Meinungen. Gibt es nichts Neues, müssen Meinungen und Vermutungen her. Und statt eine Aussage inhaltlich zu prüfen, schiebt das Nachrichtenorgan als Autorität einen oft unmaßgeblichen Politiker vor, der dann dies oder jenes gesagt hat. Oft sagt A dem B, was der tun sollte, hat aber selbst keinen Einfluss auf das Geschehen. Dann kommt zwecks Ausgewogenheit (»Proporz«) die gegenteilige Meinung von C zu B. Die Berichte mancher Stationen sollten gleich »Nachrichten und Meinungen« heißen. 
   Emotionales verkauft sich eben besser als objektiv Sachliches. Dabei werden gern meinungsbildende Adjektive mit unbestreitbaren Tatsachen durchgeschmuggelt, vom berühmten »wohlverdienten Ruhestand« bis zur immer wieder »völkerrechtswidrigen Annektion der Krim«. Die Menge der Eigenschaftswörter steht proportional zur Tendenz. Dazu kommt gefälliges »Product Placement«, etwa für eine »Funke-Mediengruppe«, unter der sich keiner etwas vorstellen kann oder möchte. 
   Inhaltlich fehlen oft klare Angaben darüber, was wirklich Sache ist. Dass 87 Millionen Leuten ihre Facebook-Daten »geklaut« wurden, ist ja bös und schlimm, doch was waren das genau für Daten – auch Passwörter? Sicherheitsfragen? Geburtsdaten? Häufigkeit der Nutzung? Likes? – Das sagt uns keiner. Wie groß war da ein Datensatz? Was steckte drin? Das hätte man doch Zuckerberg fragen können. Erlitt jemand einen finanziellen oder seelischen Schaden? 
   Weiter gesponnen: Haben Facebook-Daten, geschickt manipuliert, den Brexit oder die Trump-Wahl beeinflusst? Oder Facebook-Fake-News? Weil der Papst angeblich Trump bevorzugte? Dass Falschnachrichten oft interessanter sind als wahre, lässt sich zeigen. Meines Wissens werden allerdings am liebsten Katzenbilder »geteilt«, was noch lang nicht sagt, dass die Leute deshalb Katzen wählten. Ich weiß nichteinmal, ob die vor Wahlen an allen legalen und illegalen Stellen angebrachten Kandidatenkonterfeis die Wähler wirklich beeinflussen. Dass ein gesellschaftliches (»politisch korrektes«) Interesse besteht, das so zu sehen, glaube ich wohl. Wer sich drüber aufregt, wird verdächtigt, gegen die staatliche Wahlkampffinanzierung zu sein oder für Minderheiten. Und Zeitungen beeinflussen die politische Meinung doch auch, und wie! 
   Denken. Das wichtigste Mittel gegen Falsches war und ist: selbst denken, plausibilisieren. Kann das stimmen? Und weiterdenken: Wem nützt diese Aussage, diese Meinung? Soll ich mich ihr anschließen? Darf ich nicht einmal sagen: Ich weiß es nicht. Ist mir egal. Damit habe ich mich nicht befasst. Darüber muss ich erst nachdenken.
Werbung am südlichen Mainufer,
wo gerne Jogger vorbeikommen:
»Nicht alles, was am Main läuft,
ist Main-Stream. 90,4 youfm,
music like me«. 18.10.2013
   Nun Werbung. Werbung hat sich immer schon dem Umworbenen angepasst. Einem Jogger am südlichen Mainufer empfehle ich doch nicht eine Kreuzfahrt in der Südsee, sondern entweder Laufschuhe oder leich­te­re Kopfhörer. Wer eine Waschmaschine sucht im Internet, dem schickt man nicht Hotelreklame. Dabei wissen die au­to­ma­ti­schen digitalen Werbeplatzierer eher zu wenig von mir: Die Werbung für Wasch­ma­schi­nen lief eine Zeitlang weiter, nachdem ich die Maschine schon gekauft hatte.
   Verkauft mir den Bürger nicht als dumm. 

Permalink http://j.mp/2H3CYCL =
 https://blogabissl.blogspot.com/2018/04/fake-news.html

Übrigens war ich Ostern 2009 wenige Wochen lang bei Facebook, bevor ich mich verärgert abmeldete (was gar nicht so leicht war). Hier meine Glosse dazu:
http://www.joern.de/FacebookEsel.pdf

Damals hatte Facebook 242 Millionen Nutzer (Quelle).
  

13. April 2018

NZZ-Artikel empfohlen





Mir treuem Leser fallen Artikel auf. 
   Ist man älter (oder einfach alt), möchte man sie weiterempfehlen. 
   Ich mache das einmal, und dann noch einmal, wieder, wenn ich fleißig bin. Oben ist immer der neueste.

Die Artikelüberschriften sind online oft andere als im Blatt. Wer sucht, sollte dazu ein Stück Inhalt wählen. – Datumsangaben variieren oft; so bringt die internationale Ausgabe das meiste einen Tag später.
   Permalink hierher: http://j.mp/2HhYerD =
http://blogabissl.blogspot.com/2018/04/nzz-artikel-empfohlen.html
–––––––– · ––––––––

 12.4.2018
   Bekenne, du schlechter Mensch!
Polemik von Reinhard Sprenger

   Gegen das Moralisieren aller Lebensumstände. Gut geschrieben.
https://www.nzz.ch/feuilleton/bekenne-du-schlechter-mensch-ld.1375392 = http://j.mp/2qrZVct

12.4.2018
   Am Berg in den Wahnsinn getrieben
Sinnestäuschungen im Hochgebirge. Erwas für Berg- und Gruselfreunde
https://www.nzz.ch/gesellschaft/reise/berg-wahnsinn-getrieben-hoehenpsychose-ld.1368339 = http://j.mp/2HixV4F

11.4.2018 
   Die grosse Apokalypse auf dem Mond zog sich hin
Anders als angenommen stammen die riesigen Mondkrater und die Meteoriteneinschläge bei uns nicht aus derselben Zeit.
https://www.nzz.ch/wissenschaft/die-grosse-apokalypse-auf-dem-mond-zog-sich-hin-ld.1374732 = http://j.mp/2HhxK9F

11.4.2018
   Atome und Antiatome schwingen im gleichen Takt
Am Cern zeigte man bis auf die zwölfte Stelle hinter dem Komma, dass die Naturgesetze gleich bleiben, wenn man Materie und Antimaterie vertauscht, den Raum spiegelt und die Zeit umkehrt. (Wie man die Zeit umkehrt, wird nicht erklärt.)
https://www.nzz.ch/wissenschaft/atome-und-antiatome-schwingen-im-gleichen-takt-ld.1374313 = http://j.mp/2qxir3p

23.2.2018
   Millionen winziger Spiegel lenken Licht ins Haus
 Natürliche »künstliche« Beleuchtung – ein Archtektenthema
   https://www.nzz.ch/wissenschaft/millionen-winziger-spiegel-schaffen-licht-ins-haus-ld.135511831.1.2018 = http://j.mp/2HhSX3j

31.1.2018
Hiobs Schweigen http://j.mp/2CyQLSV =
https://www.nzz.ch/feuilleton/hiobs-schweigen-ld.1343521
Nicht Gott, der Teufel versucht den Menschen, sagt der Papst. Doch in der Versuchung des gottesfürchtigen Menschen liegt das tiefste Paradox des Christentums.

3.1.2018
   Die Entdeckung der Ehrlichkeit http://j.mp/2CznN5g =
https://www.nzz.ch/feuilleton/die-entdeckung-der-ehrlichkeit-ld.1343514
In einer zauberhaften Parabel stellt Italo Calvino unsere Weltordnung auf den Kopf. Das Gleichgewicht des Diebstahls hält hier das soziale Gefüge zusammen. Lena Schall illustriert den Text mit ganz eigener Komik.

3.1.2018
   Europa entsteht aus der Konkurrenz http://j.mp/2CECxA1 =
https://www.nzz.ch/feuilleton/das-wahre-europa-entsteht-aus-der-konkurrenz-ld.1343018
Wenn es kriselt in der EU, wird die historische Einheit Europas beschworen. Nur, die gab es eigentlich gar nie.

24.2.2016
   Meteorit über dem Atlantik
   10'000 Tonnen, Energie von 500 bis 600 Kilotonnen TNT – das entspricht dem 30- bis 40-Fachen der Hiroshima-Atombombe.
https://www.nzz.ch/wissenschaft/riesiger-meteorit-vergluehte-unbemerkt-ueber-dem-atlantik-1.18700665 = http://j.mp/2quzPp6

27.2.2013
   «Tscheljabinsk» in Arabien
Schweizer Forscher finden in Arabien prähistorischer Meteoriten.
https://www.nzz.ch/panorama/tscheljabinsk-in-arabien-1.18028142 = http://j.mp/2HnwJxb
   Einschlagkrater: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Einschlagkrater_der_Erde
  https://www.nzz.ch/article8XP27-1.272503

11. April 2018

Google.com statt Google.de verwenden

Vor allem bei der Bildersuche ist Google.de unpraktischer. Wer lieber mit Google.com sucht, sollte nicht nur einfach Google.com ansteuern – da wird er sofort zu .de umgeleitet –, sondern

https://www.google.com/webhp?hl=en  bezw.

https://www.google.com/webhp?hl=de

aufrufen. (Das Anhängen von /ncr -- no country redirect -- klappt nicht mehr, schreibt Chip.)
   Hier noch eine Reihe von Firefox-Plugins für das Suchfeld:
http://mycroftproject.com/google-search-plugins.html
  Da kann man sich ein "Google US" holen:


 Einfach "Hinzufügen", schon erscheint "Google US" als Wahlmöglichkeit oben rechts im Suchfeld. Dort kann man sie dann über "Suchmaschinen verwalten" noch weiter hochschieben.

Suche ohne "Personalisierung", neutral, hier.
Suche ohne SSL hier.
Suchparameter
Suchparameter lt. Google 
Duden.De-Suche als Plugin
Linguee (Deutsch-Englisch), Pons
Wictionary

Permalink hierher:
   https://blogabissl.blogspot.com/2018/04/googlecom-statt-googlede-verwenden.html

Youtube: Dieses Video ist nicht verfügbar

Youtube meldet bedauernd: »Dieses Video ist nicht verfügbar.«
Das liegt an der Gema.
Ob’s nun an der Gema liegt, ob vielleicht nur ein wenig, wer dergleichen »nicht Verfügbares« gucken will, kann’s mit dem Browser-Zusatz Proxmate probieren. Mit Zusatz meine ich ein Add-On, ein Plugin, eine Erweiterung, wie auch immer das genannt wird.
   Das Verfahren funktioniert dadurch, dass man nicht direkt mit seiner Deutschland verratenden IP-Adresse surft, die einem sein Internet-Provider zuordnet, sondern über eine Zwischenstation im Ausland: ein »Proxy«, was soviel wie rechtlicher Stellvertreter heißt.
   Erstens muss man so einen Proxy kennen, denn Proxy spielen ist Datenarbeit.
   Zweitens muss man zumindest seinen Browser sagen, dass man über den Proxy surfen möchte.
   (Chip beschreibt das hier, genauer hier.)
Für das Ganze gibt’s zahlreiche Programme, empfohlen etwa von
Computer-Bild ein Youtube-Unblocker
• Chip

Tipps: mit der Seite http://convert2mp3.net/ kann man sich das Video oder mp3 laden

   Von Hand macht man das so – beispielweise am Firefox. Extras, Einstellungen,

nntime.com »Most free proxies are slow and useless?«

Dann verwende einfach dieses Firefox AddOn: addons.mozilla.org/de/firefox/addon/anonymox/
Oder geh auf http://hidemyass.com/

addons.mozilla.org/de/firefox/addon/anonymox/
s. http://www.anonymox.net/de/gettingstarted

https://addons.mozilla.org/de/firefox/addon/anonymox/  _ streut Reklame ein.
Ändert IP nicht.

Vielleicht zum Testen:
https://www.youtube.com/watch?v=5JH_yEHqxY4 = Salzburger Geschichten – »nicht verfügbar«

… und das liegt am deutschen Urheberrecht, das meint,
fünfzig Jahre alte G’schichten müssten immer
noch »Frucht bringen«, irgendwem. –
Dasselbe Video »aus dem Ausland« angesteuert.










Permalink hierher:
https://blogabissl.blogspot.com/2018/04/youtube-dieses-video-ist-nicht-verfugbar.html

Terry Moore: Strangers in Paradise

Terry Moore: “Katchoo”
(in full: Marie Choovanski)
SiP Vol. III No. 25 "On The Beach"
At first I had thougt SIP is the Internet phoning protocol, and Terry Moore a beautiful actress.
   But now SiP stands for Strangers in Paradise, and Terry Moore is a male cartoonist. His most famous series is and was Stragers in Paradise, ninety issues from 1993 to 2007. His SiP received the Eisner Award for Best Serialized Story in 1996 as well as the National Cartoonists Society Reuben Award for Best Comic Book in 2003. It also won the GLAAD Award for Best Comic Book in 2001. I hadn’t known that; Wikipedia knew.
   On my way to the grocery store across Oxford Street I pass Bonn’s Comics Shop. They display unsold old comics, plastic figurines und other related paraphernalia (including dust) at reduced prices on the walkway. So after shopping I rest my heavy green bag, and I thumb through German, English or even Italian cartoons. Just today I got 16 more SiPs, published by Abstact Studio – his and his wife Robyn’s own publishing company – reduced for US$ 2.75 to one Euro each.
   I love comics, ever since my mother seduced me to Topolino back in 1949, when it became pocketable, in order better use the same printing machines as the Selezione dal Reader’s Digest. These details come from Corriere della Sera’s book Topolino Story on page 12: « Facendo di Topolino un pocket, inoltre, può ottimizzare i tempi morti della rotativa Vomag [Vogtländische Maschinenfabrik AG, Plauen im Vogtland, Germania], già impiegata per las stampa del tascabile di informazione e cultura Selezione dal Reader’s Digest, il cui primo numero è uscito nell’ottobre 1948. » – Birth of the Italian Disneys.
Topolino (Micky Mouse) as Dante in his Divine Comedy, by Guido Martina signing as Walt Disney, 1949
History aside and back to SiP. I had been aware of Terry Moore’s »strangers« since quite a while. I like his Art Noueau design. It’s not really Art Nouveau, but it hints at it. Especially women’s full hair styles lend themselves to ornaments. If you care to look at Terry Moore’s blog, you can see that. His humour sometimes suggests Norman Rockwell, especially as Moore is an expert in face expressions.
   Moore does not like color, really, as he’s a one-man show, his own penciller, inker and letterer. He would not like to be flatter and colorist as well …
   His drawings – to me – often seem simple, and remind me of children’s books like Dr. Dolittle, see here for an example. Moore is excellent with drawing people, women especially, and even more with expressions. That’s why I chose the …AAAAAANND… above as an introduction.
   Boring and self-repeating surfaces are not his favourites: the sea, wooden surfaces, sometimes even the sky result
   Astonshingly SiP is read by women more than by men. This is quite unusual for comics! Read the three webpages interview with him by Stephan van Löchtern (?) 1998. A quote: »I draw in [air]planes. When I’m in America I draw when I’m travelling all the time. I've done almost an entire issue on airplanes. But in Germany I’ve not been able to get anything done because it’s all so new to me and so pretty. It’s a pretty country. I’ve been on a lot of trains and I’m just looking out the window the whole time. We’re going up and down the Rhine river valley with all those castles. I just can’t NOT look, I can’t concentrate on a blank page while all this is going by. I’m supposed to be working on my book right now and I’ve not done a thing. So I'm in trouble (smiles).«


Francine, sitting, and Katchoo, pointing (at Drachenfels?), enjoying a view of the Rhine Valley and the »Siebengebirge« (seven hills range) – seems like (from here).


SiP gibt’s auch deutsch, mit demselben englischen Gesamttitel. Hier eine Rezension von Band 7 aus dem Jahr 2002.

SiP in the English Wikipedia
SiP in der deutschen Wikipedia

Amazon still sells the complete “strangers” as “The greatest love story ever told”, two volumes in a box, 2,128 pages, for some 120 Euro. My copy, bought cheaper, is at Siebenfahr.

Permalink to here:
https://blogabissl.blogspot.com/2018/04/terry-moore-strangers-in-paradise.html

From http://www.maida.net/sip/sipstuff/calendar2000.html

Die Politikkrise

Heute, denke ich, mache ich mir einmal wieder die Freude eines Blogs. Man schreibt die
Pensées ohenhin hauptsächlich für sich selbst, nicht wahr? Und wenn ich schon vom kleinen Fritze
auf die große Welt schließe, dann kommen wir doch gleich vom Euro zum Staat:

Eine Euro-Krise ist das nicht, ’s ist eine Staatskrise, eine Krise der Politik!

Ich weiß noch, wie der Ostblock Pleite ging. Hatte seinen Volksgenossen zu viel versprochen, billige Sättigungsbeilagen und jedem Arbeit und ein Auto. Erfolg: Die Restaurants
hatten (angeblich) keine Plätze frei, an denen man sich hätte sättigen können, die Arbeit war unproduktiv, und das Auto gab’s dann nach zweiundzwanzig Jahren Wartezeit. Wir im Westen haben damals hämisch gelächelt, ordentlich Begrüßungsgeld spendiert und das Lob des Kapitalismus’ gesungen. Ehrlich: Ich habe schon damals vermutet, dass es ein paar Jahre später uns erwischt. Nur, dass dann niemand mehr weiter im Westen ist, um uns aufzunehmen. Amerika liegt selbst im Argen, krank wie wir alle.
·Zur Einstimmung lese man in den Online-NZZ »Eine Wüste unter Wasser. Kaum eine Stadt in den USA hat vom Immobilienboom so profitiert wie Las Vegas«. Sollte wer danach noch Lust haben, hier weiterzulesen, bittesehr:
·Nicht das Vertrauen in den Euro ist geschwunden, der kann nichts dafür, und wenn das vereinbarte No-bailout-Prinzip nicht bei der ersten Gelegenheit über die Wupper (ja, in Deutschland!) gegangen wäre, so hätten wir jetzt nur eine Griechenland-Krise. So aber wird nach einem Jahr der hektischen Krisenbewältigung nach einer »Bazooka« (Panzerfaust) der Europäischen Zentralbank gerufen, die’s wie eine Konfettikanone mit unbegrenztem Geldsegen richten soll. Was denn? Das Vertrauen in den Euro? Minimal steigende Zinsen für Staatsanleihen, geringes Interesse selbst an deutschen Papieren zeigen nur indirekt Misstrauen der Währung.
·Misstrauen ist gegenüber den Regierungen angebracht. Die erste Regierung, die ihren Gläubigern ein glaubhaftes Geschäftsmodell vorweist, wie sie ihre Schulden dereinst wird zurückzahlen können (außer mit neuen, noch höheren Schulden), die wird volles Vertrauen genießen – und keine Schulden mehr brauchen. Unsere Staaten meinen es zu gut mit uns Bürgern: Sie versprechen uns Altersversorgung, ohne dafür anzusparen, sie versprechen uns volle Versicherung gegen Krankheiten und lassen uns schon heute hier ein wenig und dort ein wenig mehr zuzahlen und zur stationären Pflege das Eigenheim verkaufen. Sie geben uns Arbeit mit einem Bruttosozial-»Produkt«, das zur Hälfte staatliche Ausgaben umfasst, von …
   – Ach, ich ende dieses Fragment. Es wäre so viel zu sagen, zu tun, ändern kann man doch nichts, weil alles mit allem zusammenhängt (»Filz«), über die Jahre gewachsen, verwachsen, verkorkst. Ich wollte mir ja bloß die Freude eines Blogeintrags machen.

Fehler »Kein Datenträger«

xcopy.exe - Kein Datenträger
Es befindet sich kein Datenträger im Laufwerk. Legen Sie einen
Datenträger in Laufwerk \Device\Harddisk6\DR6 ein.
Abbrechen Wiederholen Weiter



Mein Backup mache jede Nacht bit einem kleinen xcopy-Batchprogramm (Anleitung). Nicht lachen. Da weiß ich wenigstens, was ich hab’, was passiert ist. Das kann ich kontrollieren und ansehen.
   Jüngst waren aber meine neuesten Dateien, etwa Fotos, nicht auf meinem zentralen Server gesichert worden. Also ließ ich tagsüber mein xcopy-Sicherungsprogramm laufen. Es blieb gleich mit dieser Fehlermeldung stehen. Bei »Wiederholen« dasselbe.
   Microsoft erklärt hier, dass irgendwo ein USB-Stecker stört. Das hat zwar mit meiner Übertragung von Festplatte auf NAS-Platte nichts (mir Denkbares) zu tun, aber als ich die USB-Leitung zum Laden eines Smartpones zog, ging’s wieder.

Editing Hidden OCR Text in PDF

Summary: Can’t be done, I think
In einer selbst gescannten PDF-Datei den gescannten, durchsuchbaren, »versteckten« Inhalt korrigieren – geht nicht, finde ich …

Adobe clearly states (here): “For scanning and archiving hard copy documents with embedded "hidden" text to enable computerized search, products from other vendors must be used. The Adobe Acrobat products are inadequate to the task.” So don’t even try.

Infix $ 160, ab € 80
Nitro € 180 
A-PDFOCR € 27
Alternatives

Online Alternatives


PDFescape (max. PDF 10 MByte and 100 pages)


  After uploading I could not find where to see and edit “hidden text”.

• “You can edit the text that is hidden behind the printed text, but the process is rather cumbersome.
    Use the Touchup Text Tool [Werzeuge, Erweiterte Bearbeitung, Toucup-Textwerzeug] to select the line of text that you wish to edit. Select all the text that is in the box. Right click and select 'Attributes' [Eigenschaften]. There is a little box in the bottom left hand side [Füllfarbe] of the Attributes dialog. Click this box and a colour palette will appear. Select a colour different from the printed one. For example, if the printed text is black, select Red. You will then be able to see the hidden searchable text and make the changes you require.” – says Andrew_E_D_Clark@adobeforums.com here

   Not really: the specific original type may not be available, like in my test document:
Also: I don’t want to edit the visible text, but just the hidden one!


Viele grüne Ks auf Webseiten

Ein Virus! Lauter Ks im Bild. Many K. Viele K, lauter K, Ks bei Links:

Kein Virus! Im Gegenteil: Kaspersky: “Welcome. It’s the URL Advisor. Please see how to disable/enable that. You could try with it on and the option to check all websites off, or disable altogether. It won’t handicap your protection with it off. http://support.kaspersky.com/6318

https://forum.kaspersky.com/index.php?showtopic=301934&st=20&p=2363298&#entry2363298
“It’s easy to get rid of add-ons but it’s virtually impossible to get rid of the plugins. And this particular subject relates to plugins.” 

Spamfilter auschalten in Gmail

Wer nicht will, dass Gmail mache Mails als Spam wegfiltert, soll sich dort einen eigenenen »Spamfilter« machen, der dann vielleicht gar keiner ist …

http://joe.siegler.net/2013/03/turning-off-spam-checking-in-gmail/

https://c-command.com/spamsieve/help/turning-off-the-gmail-s

Permalink:
https://blogabissl.blogspot.com/2018/04/spamfilter-auschalten-in-gmail.html

Luftholen vor dem Und!

Sprache wird gesprochen. Etwa bei »Nachrichten«, »Pressestimmen«, in Interviews … und so einfach von Mensch zu Mensch.
   Dabei kommt öfters einmal ein Und vor; weil jeder zuviel sagt und zu lange redet. 
   Mir geht es dabei hier um die Satzmelodie.
   Wie spricht man das Und aus? Klar: einfach »und«. Und die Pause, die man zwischen Wörtern macht, kommt die vorher oder nachher, also vor dem Und oder danach – oder bleibt die eher unauffällig?
   Politiker haben sich angewöhnt, »und« an den Satz davor anzuhängen, etwa so; »Ich halte das für alternativlos und – Pause – in der heutigen Zeit mit all den nötigen Abstimmungen besonders dringlich.« Dieses Und klingt dann schon fast wie Hund, möglichst betont und hektisch angehängt. Zweck ist, dass der nachfolgende Satz nicht herausgeschnitten werden kann, weil die Sprachmelodie sonst oben hängen bleibt, statt wie am Satzende zum ordentlichen Punkt hin abzusinken. Hektisch, als sei unbedingt noch etwas zu sagen. Manche Rundfunksprecher haben dieses angehängte, hochgezogene »Hund« schon so verinnerlicht, dass die ganze Geschichte – und sei sie noch so trivial – hektisch und wichtigtuerisch in Erinnerung bleibt.
   Ironisch: Demnächst wird am noch »Pfeffer hund – Salz« sagen! 

Permalink:
https://blogabissl.blogspot.com/2018/04/luftholen-vor-dem-und.html


Wikipedia und ihre „Gänsefüße“

Lexika wie die Wikipedia nannte man im vorigen Jahrhundert noch »Nach­schlag(e)­wer­ke« oder »Konversationslexika«, heute sind’s – dem allgemeinen Trend zu Fremd­wör­tern folgend – En­zy­klo­pä­di­en
   Soweit, so gut. 
   Lexika (darf ich bei diesem Wort bleiben?) wollen klar sein und einen Begriff verdeutlichen – dem Laien zur »Konversation«, zum Angeben im Gespräch, und gelegentlich auch dem Fachmann. Die Wikipedia – jedenfalls die deutsche – steigert (versteigt?) sich diesbezüglich in große Höhen fachmännischer Teilverständlichkeit. Sie wird zum Besserwisserwerk.
   
Unlängst wollte ich herausfinden, ob -4 größer oder kleiner als -3 ist: Mein Schüler hatte stur behauptet: -4 > -3. Das kann man so definieren, meinte ich, verunsichert kneifend. Natürlich waren dann die Hausaufgaben falsch. 
   Erst als er weg war, habe ich in der Wikipedia nachgeschlagen. Auf der Suche nach »größer« landete ich bei »Vergleich (Zahlen)«. Gucken Sie mal, ob Sie dort meine Frage nach dem -4 und -3 lösen. – Ja, das geht schnell, oben rechts ist eine Skala zu sehen: 
»Nach rechts werden die Zahlen größer, nach links kleiner.« Den ganzen Rest der Seite mögen dann andere studieren.
   Bei der alternativen Suche nach »Ungleichheit« wäre ich in Philosophisch- und Politischem gelandet – warum nicht? – und dort bald einmal über »Logik und Mathematik« ins Eingemachte. Zur Vertiefung gibt’s einen Hinweis auf einen Hauptartikel: Äquivalenzrelation. Man kann beliebig weiterwandern in der Wikipedia …

Nun aber zu den, meines Erachtens, von der Wikipedia sich selbst gewählten Überforderungen. Sie will nicht nur sachlich sein, sie will wo immer möglich auch moralisch urteilen, und das möglichst kritisch. Bei Mathematik sind wir uns alle einig: Die ist wertfrei. Doch schon bei »Gesellschaftskunde« teilen sich die Meinungen. Verringert ein Mindestlohn Arbeitslosigkeit, wie mir heute eine gymnasiale Elftklässlerin sagte, weil damit Einkommen über Hartz-Vier locken? Oder steigert Mindestlohn die Arbeitslosigkeit, weil einfache Arbeit teurer geworden ist als manche Maschinen?
   Moralische Aufarbeitung von Vergangenem – nach heutigen »Standards« – ist noch »trickreicher«. Deshalb erfolgt sie auch nur dort, wo sie sich politisch korrekt machen lässt, und in anderen Fällen nicht. Ich bin ja, fast aus wissenschaftlicher Sicht, bei der jeder weiß, dass jede Messung unweigerlich das Gemessene beeinflusst, dagegen, Fakten und Meinungen zu mischen. Ich bin dafür, nach einer relativ kurzen Verjährung moralisch nicht mehr zu beurteilen, was man inhaltlich und ursächlich verstehen will. 
    sind die Beteiligten inzwischen andere Menschen geworden, und b kann man sich die damalige Lage nicht mehr richtig vorstellen, noch dazu oft als Außenstehender, als später Geborener, anderswo Erzogener. Wenn um die vorletzte Jahrhundertwende »Mohren« gleich wie »Frauen ohne Unterleib« im Panoptikum gezeigt wurden, so können wir das nicht mit unserem heutigen emanzipierten und multikulturellen Menschenbild ansehen und aburteilen. 
   Mir fällt auf, dass der Nationalsozialismus bis in die Architekur hinein überall als Ursache vermutet wird, statt dass man sich die Mühe macht, zwischen positiven Errungenschaften dieser Zeit (vielleicht dem Bauhaus oder einfach nur sauber gestalteten Fassaden) und Verbrecherischem zu unterscheiden. War Nationalismus böse? Ja, aber nur der der Faschisten, der Deutschen und Italiener, der Ungarn und sonstig Willfährigen. Eine Kolletivschuld gibt es nicht. Diese Meinung hat sich durchgesetzt, man lese dazu nur den ausführlichen Artikel der Wikipedia. Sind Geiselerschießungen, wie sie damals passierten, ein Verbrechen, moderene Gegenangriffe, Bomben und Drohnen aber nicht? Ich fürchte, das wird so gesehen. Wir sehen heute oft weg, »Anwesende ausgenommen« heißt es da stillschweigend; um so gnadenloser blicken wir in die mittlere Vergangenheit. War Angela Merkel mit schuld an der Mauer? Das wir niemand behaupten. Warum eigentlich nicht?  Da mache sich jeder seinen eigenen Reim draus. Ich bin dafür, sich moralisierender Allgemeinurteile zu verkneifen. Versuchen wir lieber selbst das Mittelmeer nicht zur Todesfalle werden zu lassen. Versuchen wir das Elend dieser Welt zu lindern, aber so, dass wir nicht Almosen verteilen sondern … eher Schwimmwesten und Kondome? Ich weiß es nicht.

Elevated Sortcut


»Möchten Sie zulassen, dass durch das folgende Programm von einem unbekannten Herausgeber Änderungen an diesem Computer vorgenommen werden?« – das fragen einen manche Programme, bevor sie loslegen.
   Natürlich bekommt man die Warnung weg, indem man die Einstellungen für Benutzerkontensteuerung
nach ganz unten auf »Nie benachrichtigen« schiebt (Start, Benutzerkonten, Einstellungen der Benutzerkontensteuereung ändern) – das ist aber eher gefährlich, weil es für alle Programme gilt.
   Besser man geht gezielt vor, Programm für Programm beziehungsweise Verknüpfung um Verknüpfung, wenn man die Programme schon kennt und einen die Fragerei stört.
   Dazu hat Sergey Tkachenko ein schönes kleines Programm gemacht, »Elevated Shortcut«, sozusagen ein im Voraus auf höhere Rechte gehobener Abkürzungsweg, das heißt eine potente Verknüpfung, hier.
  Normalerweise sieht eine Verknüpfung etwa so aus:
     C:\Program Files (x86)\DVD Shrink\DVD Shrink 3.2.exe.
Das ist der Weg zum Programm, zur »Exe«, der executable file,  hier die alte »Shrink 3.2.exe«. Wählt man im Programm »ElevatedShortcut« zum Beispiel »Modify shortcut«, so bekommt man die Shortcuts, die Verknüpfungen, angezeigt, hier die vom «Desktop«:

Die Verknüpfung zu Shrink müsste auch dabei sein, die gibt man dem ElevatedShortcut zur Bearbeitung, und schon ist’s gemacht: “The operation completed successfully”. Man kann weitermachen mit einer anderen Verknüpfung oder das Programm beenden.
Die Beschriftung der Verknüpfung endet jetzt mit »(elevated)« und müsste nun ohne Nachfragerei das gewünschte Programm ausführen lassen. Die Verknüpfung selbst sieht jetzt zum Beispiel so aus:
C:\Windows\system32\schtasks.exe /run /tn elevated_DVD Shrink 3.2_1~RHSDVD2~ARGORPC
Gestartet wird also erst einmal schtasks.exe mit den Parametern /run/tn elevated_DVD shrink 3.2_1~RHSDVD2~ARGORPC. Wie man sieht, hat sich die schtasks.exe in Windows\system32 eingenistet, neben das Programm Shrink.
    Wenn’s ausnahmsweise nicht klappt, bei mir etwa zu C:\Program Files (x86)\SpeedFan\speedfan.exe mit
C:\Windows\system32\schtasks.exe /run /tn elevated_speedfan_naFdeepS2~ARGORPC,
dann mag man da etwas basteln, etwa ändern zu
C:\Windows\system32\schtasks.exe /run /tn elevated_speedfan~RHSDVD2~ARGORPC

Selbstmord – stets unmoralisch?

»Heute ist der Suizid keine Sünde mehr und auch kein Verbrechen«, sagt Thomas Macho im NZZ-Interview von Urs Hafner, hier.
   Als alten Katholiken (und zwischendurch evangelisch) nimmt mich das wunder. Die sich wandelnde Einstellung bei den Begräbnissitten ist mir natürlich aufgefallen, positiv, denn es liegt nicht beim Menschen, moralisch zu urteilen. Selbst Gott lässt sich dazu Zeit, Zeit bis zum Jüngsten Gericht. Doch was sagt uns das?   
   Die FAZ schreibt vorsichtiger: »Für strenggläubige Katholiken ist der Suizid eine Sünde, ein Frevel an Gottes Willen.« 
   Die Wikipedia umgeht das eigentliche Thema und wird nur bezüglich der Bestattung deutlich: »Der CIC von 1983 erwähnt unter den Ausschlussgründen von einem kirchlichen Begräbnis (Can. 1184) den Suizid nicht mehr«.
   Die »schwarze« »Kathpedia« resümiert klar und klassisch: »Der Selbstmord ist ein schwerer Verstoß gegen die Gerechtigkeit, die Hoffnung und die Liebe. Er wird durch das fünfte Gebot untersagt.«  
   Auch der aktuelle katholische Katechismus von 2005 verbietet ausdrücklich den Selbstmord in Kapitel 470 »Was verbietet das fünfte Gebot?«. Selbstmord ist da ein »schwerer Verstoß gegen das Sittengesetz«.
   Ob es auch eine schwere Sünde ist, eine Todsünde, bleibt dahingestellt. Sucht man im Katechismus nach »Todsünde«, hier, so kommt man in vage Gefilde, etwa bei der Klärung der Frage, was überhaupt eine schwere Sünde sei.

Vor ein paar Jahren hatte ich mir schon Gedanken zum Thema gemacht: http://blogabissl.blogspot.com/2015/11/selbstmord.html Sogar Hans Küngs Gedanken sind dort schon in einem Kapitel berücksichtigt.

Link hierher:

https://blogabissl.blogspot.com/2018/04/selbstmord-stets-unmoralisch.html

Alter + 1 = Lebensjahr

Was bei einem kleinen Kind klar ist, ist bei einem Erwachsenen oft vergessen.
   Ein Baby lebt nach der Geburt im ersten Lebenjahr, ist aber noch null Jahre alt. Ein fünzigjähriger Erwachsener dagegen lebt in seinem einundfünfzigsten Lebensjahr und wird am Ende dann 51.
   Daraus erklärt sich, dass meine Mutter, als sie in ihrem 99. Jahr starb, erst 98 Jahre alt gewesen war. Für einmal war die 99 keine »von Mamis üblichen Über­trei­bun­gen«. Gott hab’ sie selig!  

Im Sommer 1936, sechsundzwanzigjährig, bei der Getreideernte auf der Leite.  

10. April 2018

Georg Britting Nazi?


»Wir betrachten vergangene Zeiten mit Herablassung, als bloße Vorbereitung für uns ... aber was, wenn wir nur ein Nachleuchten von ihnen sind?«, Zitat aus »Die Belagerung von Krishnapur«, 1973, von James Gordon Farell (1935—1979), über den Sepoy-Aufstand in Indien in den Jahren 1857/1858. 
    Wörtlich: “We look on past ages with condescension, as a mere preparation for us ... but what if we are a mere after-glow of them?” Die obige Übersetzung ist von Google. Das Zitat setzt Robert Harris seinem Roman “Lustrum” voran, aus dem alten Rom 63 vor Christi.(deutsch: »Titan«).

In unserer Zeit »alternativer Fakten« hängen Meinungen immer mehr vom Meinenden als vom Gemeinten ab. Das ist eigentlich selbstverständlich. Meinen kann man alles, besonders über Vergangenes, wo Fakten verschwimmen. Meinungen mag man ändern, äußern. Meinung als Tatsache hinzustellen, ist unredlich – kommt aber gut an, besonders wenn sie populäre Erwartungen erfüllt.
   Meinung kann gemein sein, etwa, wenn Hans Sarkowicz und Alf Mentzer »sowohl Brittings Haltung zum ›Dritten Reich‹ als auch die Reaktionen der NS-Literaturkritik auf sein Werk als »fortdauernd ambivalent« bewerten. Hier werden ein Mensch und die Reaktionen auf ihn in einen Topf geworfen, wohl absichtlich so, dass es eklig klingt, aber nichts aussagt, weder über den Menschen Britting noch über die Literaturkritik, die damals natürlich stets als nationalsozialistisch angenommen wurde. Die Charakterisierung stammt aus der Wikipedia, die sich scheinbar wissenschaftlich-neutral hinter die Meinungen anderer zurückzieht. Eine doppelte Gemeinheit. Was ist denn »fortdauernd ambivalent«?
   (Die größten Gemeinheiten stecken in Adjektiven. Achten Sie einmal darauf.)
   Bevor ich also über die Frage spekuliere, ob Britting ein Nazi war, muss ich erst einmal von mir erklären: Ich bin jetzt 76 Jahre alt und wurde liberal erzogen, von meinem Großvater (mein Vater ist im Krieg gefallen). Ich habe von Großvater viel gehört und gelesen über die Zeit damals (seine Memoiren stehen hier), als Ende 1941 Geborener sie aber selbst nicht mehr bewusst erlebt. Seither versuche ich, eher die Zeitläufte zu verstehen, als die Menschen zu verurteilen, die damals gelebt haben, schon aus Achtung ihrer Würde – wie man heute sagen würde. Leben war damals schwieriger als heute.

Zu Georg Britting, dem Münchner Dichter aus Regensburg: 
   Georg Britting war kein Parteigenosse der Nationalsiozialistischen Deutschen Arbeiterpartei. Im engen Sinne war er also kein Nazi. 
   Doch fragen wir nach seiner Gesinnung – viel schwieriger.
   Aus dem Ersten Weltkrieg schwer vewundet zurückgekehrt wurde er Mitglied im Regensburger Arbeiter- und Soldatenrat, der durch Mitglieder der MSPD gegründet worden war und am 7. April 1919 dort eine Räterepublik ausrief, die aber nur drei Tage hielt (Quelle). Britting war Sozialist, das ja, vielleicht sogar Kommunist. Das aber lässt sich nicht belegen.
   In der Nazizeit war Britting als Schriftsteller Mitglied der Reichsschrifttumkammer, einer Zwangsvereinigung, organisatorisch ähnlich beispielsweise der heutigen Industrie- und Handelkammer. Ohne Mitglied zu sein, durfte man nicht veröffentlichen. Die Aufnahmekriterien ließen keine Juden zu, keine Homosexuelle, keine Gegner des Nationalsozialismus’. »Ab 1933 wird das literarische Leben im Dritten Reich von der NS-Reichsschrifttumskammer gelenkt, diktiert, beherrscht. Die ins Ausland geflüchteten Autorinnen und Autoren suchen im Internationalen Schutzverband Deutscher Schriftsteller (ISDS) Zusammenhalt, viele der Daheimgebliebenen wählen den Weg in die innere Emigration.« (Quelle).
   Weitere Mitgliedschaften sind mir nicht bekannt, es sei denn, man zählt seine zwei wöchentlichen Münchner Stammtischrunden mit Kollegen.
   Britting schrieb zu Beginn seiner Laufbahn journalistische Theaterkritiken, etwa für die liberalen Regensburger Neuesten Nachrichten und die sozialdemokratische Neue Donau-Post, dann Gedichte und Geschichten. Das waren keine Kampfschriften gegen oder für eine politische Haltung, das waren nicht wie heute so oft als Nachrichten verpackte (politisch korrekte) Meinungen, das war (als expressionistisch eingestufte) Naturlyrik bis hin zu Gruselgeschichten und Bauernschwänken. Er dichtete aus Freude – anders ginge das in seiner konzentrierten, hart erarbeiteten »Dichte« gar nicht –, und er schrieb zum Broterwerb. Schreiben war sein Beruf. 
   Dass seine Geschichten in Schulbüchern erschienen sind und bis heute erscheinen, hat mit dem Nationalsozialismus nichts zu tun. »Seine Texte fanden Eingang in zahlreiche Schulbücher des ›Dritten Reiches‹« berichtete die Wikipedia – wieder platte Polemik. In »deutsche Schulbücher« oder einfach »in Schulbücher« wäre korrekt gesagt gewesen .Das wurde in der Wikipedia korrigiert, bleibt aber in gekennzeichnetne und ungekennzeichneten Kopien des Wikipedia-Eintrags weiterhin zu lesen Beispiel aus dem Web, Beispiel aus einem Zeitungsartikel).
   Dass er wie alle anderen auch damals offizielle Briefe mit »Heil Hitler!« unterzeichnete, macht ihn nicht zum Nazi. Selbst das davor und danach übliche »Hochachtungsvoll« bedeutete ja nicht, dass man die jeweilige Behörde oder Person besonders hoch achtete, es war üblich wie das Lüpfen des Hutes, oder wie die Ansprache in bestimmten Kreisen mit »Genosse« heutzutage.
   Eine politische Selbsteinschätzung Brittings allerdings ist bekannt. Etwas gewunden schreibt er 1934: »Wer vier Jahre Schützengrabengemeinschaft erfuhr und erlebte, der konnte hinfort nichts anderes mehr sein als national und sozial zugleich« (Quelle). Häufig wird dieses Zitat mit »national und sozialistisch« wiedergegeben – falsch (etwa hier in der Sonderbeilage »Freistaat Bayern«). 
   2010 schreibt  (hier) Hermann Kurzke über Britting:
»Er war kein Nazi, aber auch nicht dagegen. Dass Politik ihm ›sauwurscht‹ sei, schrieb er schon 1919. … Wählen ging er nicht«.
   Hier dieses titellose Gedicht, das vielleicht den damals populären Anschluss Österreichs 1938 bejubelt, aber erst 1941 erschien (Quelle Gedicht, Quelle Erscheinungdatum »Berichtigung«):
         Ohne Titel
      Was immer die Deutschen sich träumend ersehnten,
      Wofür sie litten und fochten und fielen,
      Die besten der Männer,
      Die Sänger der Lieder;
      Die Helden der Schlacht,
      Und was sie verzagt dann schier nicht mehr zu hoffen gewagt:
      In einem herrlichen Jahr
      Ward es gewaltig vollbracht.
Für mich ist dieses Gedicht einfach schlecht (»Sänger der Lieder«, »Helden der Schlacht«), spielt »ohne Titel« auf ein undatiertes »herrliches Jahr« an. Ein Nazi-Gedicht ist es nicht.
    Kommen wir an einem Beispiel zurück zur »Gesinnungsfrage«. Ein langjähriger, guter Freund Brittings war der Jude Alex Wetzlar, der nach der Pogromnacht kurz in Dachau eingesperrt wurde, dann aber wieder freikam (Quelle) und nach England floh. Korrespondenz war bis 1940 über Deckadressen möglich (Quelle). 
   Curt Hohoff, ein Freund von Britting und Wetzlar, beschreibt 1990 anschaulich, wie sie drei die »Pogromnacht« und die Tage danach erlebt haben. Hier in den »Besuchen in der Dunkelheit« ausführlich nachzulesen, jetzt von mir verkürzt wiedergegeben:
   Curt Hohoff und Georg Britting saßen im Schönfeld (ihrem Stammtisch »Unter den Fischen« im Pfälzer Weinhaus »Zum Schönfeld« nahe der Münchner Ludwigstraße, Quelle). Hohoff schreibt: »Die Kellnerin Annie flüsterte uns zu, es war elf Uhr nachts: ›Die Synagogn hams ozundn‹«.
   Am darauffolgenden Tag trafen sich Hohoff und Britting wie üblich in der Buchhandlung Severing (dazu eine schöne Geschichte von Anna Keil im Literaturportal Bayern). Britting sagte, die Wetzlarschen Damen hätten angerufen, sie trauten sich nicht aus dem Haus, ob wir ihnen Lebensmittel bringen könnten. 
   Wir kauften die Sachen im Lebensmittelgeschäft Plendl (heute in Harlaching) und trugen sie in Tüten [zu Wetzlars, Quelle] in der Lindenstraße. … Drei Tage lang wiederholten wir unsere Besuche in der Dunkelheit. Wir mussten fürchten, die Häuser wurden beobachtet.

Natürlich ist die Hilfe einer jüdischen Famile kein Philosemitismus, sie ist auch kein Widerstand gegen die Nazis. Sie war couragiert. Was sich Britting dabei gedacht hat, ist nicht überliefert. 
   Ich jedenfalls ende damit meine Suche nach Brittings »Einstellung« …

   »Die Britting-Stiftung bemüht sich eifrig, den Dichter als einen Literaten des inneren Widerstands in der NS-Zeit darzustellen. Die Wahrheit ist komplexer. Britting, der sich selbst als „national“ und „sozialistisch“ bezeichnete, war sicher kein Nazi. Seine Haltung ist aber exemplarisch für die Schriftsteller, die in Deutschland geblieben waren. Auf Lesereisen stellte er sich 1934 in den Dienst der SA. Er unterzeichnete offizielle Briefe mit Hitlergruß, setzte 1936 seine Unterschrift unter eine Ergebenheitsadresse an den Führer und schrieb 1938 ein Lobgedicht auf den Anschluss Österreichs an das Dritte Reich: „Was immer die Deutschen sich träumend ersehnten, / Wofür sie litten, und fochten und fielen, / Die besten der Männer / Die Sänger der Lieder, / Die Helden der Schlacht, / Und was sie verzagt dann schier nicht mehr zu hoffen gewagt: / In einem herrlichen Jahr / Ward es gewaltig vollbracht.“
   Der Langen-Müller Verlag versuchte, Britting als „völkisch-nationalem Autor“ die Publizierungserlaubnis zu sichern. Seine Erzählungen fanden Aufnahme in Lesebüchern der NS-Zeit. 1935 wurde ihm der Münchner Dichterpreis verliehen. In der Zeitschrift „Das innere Reich“ konnte er 80 Beiträge unterbringen. Zwar wurden seine Gedichte immer wieder kritisiert, aber Schreibverbot erhielt er nie. Das Regime brauchte diese „Unpolitischen“.« 
– Bei der Mittelbayreischen Zeitung stimmt schon der erste Satz nicht: Die Britting-Stiftung stellt Britting nicht eifrig vor, schon gar nicht als »inneren Widerstand«. Und was ein Verlag versuchte, ist auch nicht nachvollziehbar. Das überholte (nicht als solches gekennzeichnete) polemische Zitat aus der Wikipedia mit der »Aufnahme in Lesebüchern der NS-Zeit« steht auch hier, als ob nicht Britting seit Erscheinen noch heute in Schulbüchern stünde.

https://www.literaturportal-bayern.de/zeitschriften?task=lpbwork.default&id=92 
  Bei der Bayerischen Staatsbibliothek steht im Zusammenhang mit der Zeitschrift »Das Innere Reich«: 
   »Inhaltlich wird ein breites literarisches Spektrum geboten, wobei auch Autoren publizieren, die sich nicht zum NS-Gedankengut bekennen. Unter den Schriftstellerinnen und Schriftstellern zählen u.a. Ludwig Friedrich Barthel, Ernst Bertram, Richard Billinger, Rudolf G. Binding, Johannes Bobrowski, Georg Britting, Günter Eich, Gertrud Fussenegger, Hans Grimm, Curt Hohoff, Peter Huchel, Erwin Guido Kolbenheyer, Karl Krolow, Oda Schaefer, Friedrich Schnack, Rudolf Alexander Schröder, Emil Strauß, Franz Tumler, Georg von der Vring, Ernst Wiechert und Heinrich Zillich«

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